Bürgerinitiativen in Havixbeck und Nottuln kämpfen gegen Dichtheitsprüfung
Havixbeck / Nottuln. Der Gegenwind für die umstrittene „Dichtheitsprüfung“ bei Abwasserleitungen nimmt auch im Kreis Coesfeld zu. Mitte August haben sich die Bürgerinitiativen „Alles dicht in Havixbeck und Hohenholte“ sowie „Alles dicht in Nottuln“ gegründet. Mittlerweile gibt es in NRW bereits über 50 Initiativen gegen die Dichtheitsprüfung. Sie alle eint das Ziel, dass die Kommunen das Gesetzt zunächst aussetzen und die nordrhein-westfälische Landesregierung die im Landeswassergesetz vorgeschriebene Dichtheitsprüfung zurückzieht, bis es eine bundesweit einheitliche Regelung gibt. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Dichtheitsprüfung nur in NRW und Hamburg gefordert wird. Es gibt keine seriöse unanbhängige wissenschaftliche Begründung für eine flächendeckende Undichte von Abwasserkanälen, die eine derartige Zwangsprüfung rechtfertigt“, sagt Roland Schmidt von der Bürgerinitiative „Alles dicht in Havixbeck und Hohenholte“. Dem pflichtet Dieter Dost, Sprecher der Nottulner Bürgerinitiative bei: „Das ist Schießen mit Kanonen auf Spatzen. Die immensen Kosten stehen in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen“. Derzeit sammeln die Havixbecker und Nottulner Unterschriften gegen die Dichtheitsprüfung.
Und das mit großem Erfolg. „Bislang haben wir über 1.200 Unterschriften gegen die Dichtheitsprüfung gesammelt“, so Roland Schmidt, der mit seinen Havixbecker Mitstreitern freitags auf dem Wochenmarkt und samstags vor den Einkaufsmärkten auf Stimmenfang ist. Über 2.000 sollen es werden. Die Unterschriftenlisten will die Bürgerinitiative in Havixbeck am Freitag der Gemeindeverwaltung übergeben. Der Nottulner Bürgerinitiative liegen bislang rund 150 Unterschriften vor. „Wir wollen bis Ende November mindestens 2.000 Unterschriften sammeln“, sagen die Sprecher der Initiative Lydia Bringmann und Dieter Dost. Die Nottulner sammeln die Unterschriften montags vor den Supermärkten, donnerstags ab 15 Uhr auf dem Wochenmarkt und samstags von 10 bis 13 Uhr beim hagebaumarkt.
Am 29. September treffen sich dann alle Bürgerinitiativen aus dem Münsterland in Neuenkirchen. „Da werden wir die weitere Zusammenarbeit besprechen“, so Schmidt, der hofft, dass sich im Kreis Coesfeld noch weitere Bürgerinitiativen gründen. „Wir stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Alle Infos und Ansprechpartner findet man auf unserer Internetseite“, bietet Roland Schmidt Hilfe an. Im Spätherbst wollen die Bürgerinitiativen mehrere tausend Bürger mobilisieren und vor dem Düsseldorfer Landtag demonstrieren. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.alles-dicht-in-havixbeck-und-hohenholte.de
Laut Landeswassergesetz müssen Abwasserleitungen grundsätzlich bis Ende 2015 auf Dichtheit geprüft werden. Die Kommunen haben aber die Möglichkeit, die Frist bis Ende 2023 zu verlängern. Auf den Druck aus der Bevölkerung hat das Land NRW im Sommer mit einer Vereinfachung der „Dichtheitsprüfung“ reagiert. Demnach müssten Bagatellschäden nicht saniert werden. Schwere Schäden müssen nach wie vor innerhalb von sechs Monaten repariert werden, mittelschwere Schäden nach Möglichkeit innerhalb von fünf Jahren. jo