Das Verbreitungsgebiet

Aus Liebe zum Spiel

Keine leicht verdauliche Mainstream-Ware, sonder

Spiele für Liebhaber und Kenner – das bietet

der Kleinverlag Spielworxx.

Eigentlich war für Inhaber Ulrich Blennemann schon immer klar, dass er auch beruflich etwas mit Spielen machen möchte. Nach dem Geschichts- und Politikstudium führte der Weg 1993 direkt zum ersten eigenen Verlag „Moments in History“, dessen Spiele zumeist einen historischen Hintergrund hatten. Der Verlag war vor allem in den USA erfolgreich und wurde 1999 wieder verkauft.

Nach einem Zwischenstopp bei einer Fachzeitschrift für Fußballtraining war 2009 erneut die Zeit gekommen, einen Verlag zu gründen – Spielworxx wurde aus der Taufe gehoben. „Wenn man einmal im Spielebereich arbeitet, fällt es schwer, etwas anderes zu machen“, macht Blennemann aus seiner Leidenschaft für Figuren, Karten und Würfel kein Hehl. „Washingtons War“ war 2010 das erste Spiel, das in dem jungen Verlag erschienen ist.

Seitdem ist das Ein- Mann-Unternehmen stetig gewachsen, seit 2014 betreut Blennemann auch die Spieleentwicklung anderer Verlage. Und diese Entwicklung kann es schon mal in sich haben. „Normalerweise dauert es circa 24 Monate, bis ein Spiel fertig ist“, so Blennemann. Er kennt aber auch Fälle, in denen vier Jahre verstrichen sind – oder aber das Projekt von ihm wieder abgegeben werden musste, weil das Spiel einfach nicht rund werden wollte.

Spielworxx-Spiele sind dann tatsächlich auch keine leichte Kost für Zwischendurch, sondern Kennerspiele, in die man sich einfuchsen muss. Dabei liegt Blennemann durchaus im Trend, denn komplexe Spiele, die zur Kommunikation der Mitspieler untereinander auffordern, werden auch in Deutschland beliebter. „Ja, es gibt eindeutig mehr narrative Spiele“, so Blennemann.

Ein Merkmal auch für Spielworxx- Titel, dass die Spiele sich bei jeder Partie verändern und viel Abwechslung bieten. Zum Entwickeln gehört natürlich auch das Probespielen – hier kann Blennemann auf ein dichtes Netzwerk zurückgreifen. Wichtig dabei vor allem das Spieleautorentreffen immer Anfang Juni in Göttingen. Ein Pflichttermin für den 52-Jährigen. Dabei stört es ihn nicht, dass einige Autoren nach einer Erstveröffentlichung bei Spielworxx zu anderen, größeren Verlagen wechseln. „Gerade, wer vorher noch nicht verlegt hat, sieht das als Sprungbrett“, so Blennemann.

Ganz bewusst gibt es seine Spiele nur in kleiner Auflage. Über mangelnde Arbeit kann sich Blennemann jedenfalls nicht beschweren. „Hier lagern noch über 20 ungespielte Prototypen“, freut er sich auf kommende Aufgaben. Sola Fide, ein Spiel zum Luther- Jahr, ist der aktuellste Titel im Portfolio von Spielworxx. Und zugleich auch einer der zugänglichsten. „Das ist eigentlich einfach für meine Verhältnisse“, gibt Blennemann zu. Zwei Spieler ergreifen wahlweise für den Protestantismus oder die Gegenreformation Partei und versuchen, ihre Weltanschauung mittels Karten durchzusetzen. So kann es durchaus passieren, dass Luthers Reformation in Sola Fide scheitert. Zum Spiel gehört neben dem Reglement eine umfangreiche Erläuterung der Karten, denn nicht jeder Spieler weiß auf Anhieb etwas mit den zehn Reichskreise und Co. anzufangen.

Auch die Spielzeit ist mit 45 Minuten für Spielworxx-Verhältnisse recht kurz, meist müssen Spieler für die Titel aus dem Kleinverlag über eine Stunde einplanen. Aktuell in Entwicklung ist ein Titel namens Gentes, in dem der Spieler seine Völker über drei Epochen entwickeln muss. Derzeit wird noch an der Optik des Spiels gefeilt – ein Aspekt, in dem Spielworxx sich von anderen Verlagen abheben will. „Sehr bunt kommt bei mir nur selten vor“, so Ulrich Blennemann. Eine schwarze Verpackung wäre für einen großen Verlag undenkbar, bei Spielworxx hingegen kann Blennemann seine Visionen auch grafisch umsetzen. Die Spiele sind jeweils solange über seine Homepage www.spielworxx.de erhältlich, bis sie vergriffen sind. „Einige wenige Exemplare von Sola Fide dürften aber noch im Domkontor zu sehen sein“, so Blennemann.