Das Verbreitungsgebiet

Von Kunstblut getränkte Idylle

Wenn sich knarrend der Sargdeckel öffnet und eine blass-schaurige Gestalt zum Leben erwacht, dann bittet Graf Dracula seine blutdurstigen Vampire auf der Freilichtbühne zum gruseligen Stelldichein.

Schaurige Gruselstunde um Mitternacht: Der unsterbliche Graf Dracula (Ralf Klatt, 2.v.r.) steigt aus dem Sarg, um sich mit seinen Vampirkollegen auf der Jagd nach Blut durchzubeißen. Foto: flo

Billerbeck. Vor der eindrucksvollen Kulisse eines alten verfallenen Schlosses mit angrenzendem Friedhof,  der sich nach Mitternacht von einer friedvollen Ruhestätte in einen unheimlichen Zufluchtsort für die Jäger der Finsternis verwandelt, treibt der legendäre Graf Dracula gemeinsam mit seinen Vampirgefährten sein Unwesen. 

Frei nach dem im Jahr 1897 erschienenen Schauerroman des irischen Schriftstellers Bram Stoker hat Cornelius Demming eine eigene Bühnenfassung für das Schauspiel Dracula geschrieben. „Das Stück kombiniert Horror und Schaurigkeit mit Humor und Komik. Es spiegelt die Zeit des 19. Jahrhunderts wider, verweist aber mit sprachlichen Irritationen auf die Neuzeit“, beschreibt Regisseur Matthias Simon aus Hamburg das temporeiche Stück, seine insgesamt vierte Inszenierung an der Freilichtbühne Billerbeck. 

Der junge Rechtsanwalt Jonathan Harker, der nach Transsylvanien gekommen ist, um mit Graf Dracula Immobiliengeschäfte abzuschließen, fühlt sich bald von den furchteinflößenden bleichen Gestalten, die unentwegt scheinbar ausgehungert ihre gefährlich spitzen Eckzähne fletschen, bedroht. Als Graf Dracula ein Bild von Jonathans Braut Mina entdeckt, verschiebt er seine Umzugspläne und lässt sie zu sich bringen. Als ihre Begleiterin Lucy plötzlich von einer seltsamen Krankheit heimgesucht wird, wenden sie sich hilfesuchend an den Mediziner und erklärten Feind der blutsaugenden Nachtgestalten,  Professor Van Helsing,  und die Jagd auf Dracula und seinen Gruselclan beginnt. 

Insgesamt dreißig Darsteller schlüpfen in die teils ungewöhnlichen Rollen. Aufwendige Kostüme, professionelles Make-Up und eine gehörige Portion Kunstblut verwandeln die Idylle am Weihgarten in ein schauriges Gruselszenario. „Die Rolle der Terezia ist meine Traumrolle. Die Kostüme sind fantastisch, wir fühlen uns als Vampire sehr wohl“, erzählt Nicola Thiemann. „Der Regisseur hat es uns sehr leicht gemacht, indem er die einzelnen Situationen so erklärt hat, dass man sie schauspielerisch schnell umsetzten konnte“, ergänzen ihre Vampirkolleginnen Julia Wübbeling und Ellen Entrup. 

„Die Spieler bringen sehr viel Engagement mit. Die Ideen, die ich als Regisseur habe, werden ernst genommen. Das ist erfrischend, ein unkompliziertes Möglich-Mach-Theater“, schwärmt Simon von der Arbeit an der Freilichtbühne. 

Für den bei einem Arbeitsunfall verletzten Gereon Rasche übernimmt Ralf Klatt kurzfristig die Hauptrolle des Grafen Dracula. „Zuerst war ich natürlich traurig, dass ich für die ersten Aufführungen nicht zur Verfügung stehe, aber mit Ralf konnte ich einen erfahrenen Spieler als Ersatz gewinnen. Nach der Sommerpause steige ich dann wieder ein“, erzählt Gereon Rasche.  

Am 28. Juni feiert mit Dracula eine legendäre unsterbliche Romanfigur Premiere, deren zweifelhafter Mythos bis(s) heute das Blut in den Adern gefrieren lässt. Karten kosten im Vorverkauf 12 Euro, an der Abendkasse 14 Euro und können telefonisch unter 02543-1020 oder im Internet unter www.freilichtbuehne-billerbeck.de bestellt werden.