Das Verbreitungsgebiet

Fundgrube für Magier

Zaubern, das ist viel mehr als Jungfrauen zersägen. Zaubern ist Faszination, aber auch Kulturgeschichte. In Appelhülsen lagert jede Menge dieser Geschichte.

Michael Sondermeyer mit dem ältesten Zauberbuch der Sammlung. Foto: as

Michael Sondermeyer zaubert seit fast 40 Jahren. Studiert hat er Pädagogik und Psychologie, seine wahre Berufung aber fand er in der Magie. „Es hat auch bei mir mit einem Zauberkasten angefangen“, erinnert er sich.

Er hat sein Hobby nicht nur zum Beruf gemacht, sondern widmet auch seine Freizeit der Zauberei. Er leitet gemeinsam mit seinem Kollegen Uwe Schenk das Zentrum für Zauberkunst in Appelhülsen. Eine wahre Fundgrube der Zaubereigeschichte von unschätzbaren ideellem Wert.

„Ich hatte damals 16 Zauberbücher, so ziemlich alle, die auf dem Markt waren“, blickt Michael Sondermeyer, der in Coesfeld wohnt, zurück. Heute umfasst das Archiv 9000 Publikationen aller Art. Darunter auch „Magia naturalis“ aus dem Jahr 1644, wohl das älteste Buch in der Sammlung.

Und nicht nur das – in einem kleinen Museum sind Zaubertricks zu sehen. Wie die kleinen Holzzauberkästen, die mit ihren Kollegen heute rein gar nichts mehr gemeinsam haben. Oder Hütchenspiele, die zu den ältesten Zaubertricks überhaupt zählen.

Vieles stammt aus Nachlässen, häufig versteckt sich in ganzen Wagenladungen die erhoffte Nadel im Heuhaufen. Wie die zwei kleinen Scheiben in einem Kästchen. Ein äußerst seltenes Kleinod, das Michael Sondermeyer in eben einem solchen Nachlass gefunden hat.

Eine Wand zieren eine Reihe von Plakaten, teilweises 100 Jahre alt. Diese Plakate haben Schenk und Sondermeyer aufwendig restaurieren lassen. Ebenfalls im Fundus: Der Nachlass des Zauberers Kalanag, der im Nachkriegsdeutschland eine ebensolche Berühmtheit war wie heute zum Beispiel David Blaine.

Blaine und Kollegen kann Michael Sondermeyer allerdings nicht viel abgewinnen. „Das ist alles zu technisch. Zaubern ist zur einen Hälfte Entertainment, zu anderen Hälfte Staunen“. Regelmäßig kommen Zaubererkollegen zu ihm, um in dem benachbarten kleinen Versandhandel nach Einzelstücken zu stöbern. Oder in den Büchern des Sic-Verlages, den Sondermeyer gemeinsam mit Uwe Schenk betreibt. „Von Zauberbüchern gibt es immer nur ganz kleine Auflagen, sie werden dann selten“, erläutert er. Ein Grund, warum das Zentrum für Zauberkunst auch eine Bibliothek beheimatet. Per Online-Ausleihe können hier Schriftstücke aller Art geordert werden.

Sondermeyer ist regulär drei Tage in der Woche vor Ort.“Ich freue mich jeden Tag, den ich hier sein kann“, ist er immer noch voller Eifer. Arbeit gibt es genug. Scannen,bibliographieren, die Ausleihe managen und gelegentlich eine Versammlung oder eine Fortbildung in dem liebevoll eingerichteten kleinen Vorführungsraum – all das gehört zu seinen Aufgaben.

Zu viel, um es irgendwann einem Nachfolger alleine zu übergeben. Zumal die Zaubererszene eher klein ist. „Wir planen, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die sich um all das hier kümmert“, so Sondermeyer. Das Startkapital fehlt zwar noch, Aktionen gibt es indes genug, um Förderer zu finden.