Kreispolizei sagt mit flächendeckenenden Messungen der Raserei den Kampf an
Kreis. Zu übersehen ist der silber-blaue Bulli nicht. Er steht an der B474 zwischen Dülmen und Coesfeld auf der Höhe des Restaurant Odysseus. Dahinter befindet sich - auch wenig versteckt, sondern ziemlich offensichtlich - ein Blitzer. Auf ein solches Bild können sich die Verkehrsteilnehmer im Kreis Coesfeld ab sofort einstellen. Nach einem Konzept der Landesregierung wird die Verkehrsüberwachung flächendeckend verstärkt. Mindestens einmal im Monat wird es an den gleichen Stellen solche besonderen Messungen geben.
Aber nicht, um damit Geld zu machen, wie Axel Hofmann, Polizeirat und Direktionsleiter für Verkehrsangelegenheit betont. „Am liebsten wäre es mir, wenn sich keiner an den Einnahmen des Staates beteiligen würde“, so Hofmann. Vielmehr will die Polizei mit der Aktion sensibilisieren. Zum einen dafür, dass eben mit den Streifenwagen die Präsenz der Polizei verknüpft wird. Und dafür, dass schon kleine Tempovergehen keine Kavaliersdelikte sind, sondern im schlimmsten Fall den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können. Pralle ein PWK mit 65 km/h auf einen Fußgänger, überleben dieses nur acht von zehn betroffenen Passanten. Passiere dies mit 50 km/h, sei es genau umgekehrt: Acht von zehn Personen haben die Chance, einen solchen Unfall zu überstehen.
15 Todesopfer allein in diesem Jahr im Kreisgebiet sprechen eine deutliche Sprache. „Ich habe es satt, Leute mit Todesnachrichten loszuschicken“, nahm Hofmann beim Pressegespräch kein Blatt vor den Mund. Von der Zahl der Schwerverletzten ganz zu schweigen. Schließlich kämen auf einen Schwerverletzten immer auch hunderte von weiteren Menschen, die dieser einzelne Fall beträfe. Also keine Momentaufnahme, sondern ein handfestes Problem auch im Kreis.
Landrat Konrad Püning war ebenfalls vor Ort und warb für das neue Konzept. Es sei wichtig, auf die Gefahren von zu hoher Geschwindigkeit - gerade in einem ländlichen Bereich - aufmerksam zu machen. In die Fläche gehen, auch an Stellen präsent sein, die bisher wenig im Fokus der Verkehrsüberwachung gestanden haben und aufrütteln, das will die neue Kampagne, deren Erfolg sich Ende des kommenden Jahres zeigen muss. Am Dienstagmittag jedenfalls klingelte häufiger der Alarm, deutlich war zu sehen, wie sich PKWs und LKWs mit Lichtzeichen vor dem mobilen Starenkasten warnten.
Dabei zielt die Aktion nicht alleine auf die Vernunft der Autofahrer, künftig wird auch konsequenter gegen Fehlverhalten bei Fahrradfahrern vorgegangen. Das Fahren auf der falschen Straßenseite ist hier der häufigste Verstoß. Auch hier nicht, um die Finanzen der Polizei aufzupolieren, sondern um die Radfahrer und letztlich Fußgänger zum Eigenschutz zu motivieren. Was nötig ist, denn von besagten 15 Verkehrstoten waren sechs als Radfahrer unterwegs.
Die Messungen werden im Internet und über den Presseserver der Polizei veröffentlicht. Wer wissen möchte, wann wo geblitzt wird, findet unter www.polizei-coesfeld.de (Menüpunkt „Geschwindigkeitsüberwachung“ rechts oben) alle relevanten Infos. kaf
