Notfallseelsorge45 Notfallseelsorger sind im Kreis Coesfeld tätig


Kreis. Es war die Nacht auf den 4. Dezember 2011, als in Harle drei junge Nottulner bei einem Autounfall ums Leben kamen. Das Auto wurde in die Krone eines Baumes geschleudert und in der Mitte auseinander gerissen. Die Bild lässt ihren Artikel zu dem Unfall mit folgendem Satz enden. „…Die Angehörigen der Jugendlichen wurden notfallseelsorgerisch betreut.“ „Erste Hilfe für die Seele“ fast zusammen, was die 45 ehrenamtlichen Notfallseelsorger im Kreis Coesfeld leisten. „Wir sind Teil der Rettungskette und werden von der Leitstelle alarmiert“, so Ursula Hüllen, Koordinatorin der Notfallseelsorge Coesfeld. Beim Eintreffen am Einsatzort geht es je nach Schadenslage unter anderem darum, Angehörige nach dem plötzlichen Tod eines Menschen in den ersten Stunden zu begleiten, Verletzten während der Rettung und bei Wartezeiten zur Seite zu stehen, Angehörige bei der Identifizierung von Toten nicht allein zu lassen oder Helfern bei besonders starken seelischen Belastungen beizustehen. In der Regel bleibe man zwischen einer halben Stunde und einem halben Tag bei Betroffenen. „Wir leisten wirklich nur erste Hilfe vor Ort und fungieren als Nadelöhr, wenn jemand weiterführende Hilfe braucht.“

 


Weil die Mitarbeiter der Notfallseelsorge 24 Stunden erreichbar sein müssen, wird in acht Stunden-Schichten gearbeitet. „Das Handy nehmen wir immer mit ins Bett“, so Hüllen. Bei einer Alarmierung durch die Kreisleitstelle wissen die Mitarbeiter zwar um was es sich beim Einsatz handelt, aber nicht, was einen erwartet. Sollte es so sein, dass ein Einsatz einen Notfallseelsorger selber aufgewühlt hat, besteht auch für ihn die Möglichkeit zur Hilfe. „Man ist dazu verpflichtet, einen Nachbericht zu schreiben. Auf dem kann angekreuzt werden, ob es ein Nachgespräch geben soll.“ Bei neuen gebe es grundsätzlich nach jedem Einsatz ein Gespräch. „Zudem entwickelt jeder Rituale, um aus einem Einsatz wieder herauszukommen.“


Sei ein Notfallseelsorger nach einem Einsatz selber traumatisiert, habe das oft Auswirkungen auf sein Privatleben. Denn keiner ist studierter Psychologe. „Die meisten kommen aus sozialen Berufen“, so Hüllen. Ein Mindestmaß an psychischer Stabilität sei für das Amt von enormer Bedeutung. „Interessenten haben darum erst mit 25 Jahre die Möglichkeit, Notfallseelsorger zu werden. In dem Alter kann davon ausgegangen werden, dass diese vorhanden ist.“ Zunächst werde in einem unverbindlichen Gespräch nach den Beweggründen gefragt. „In dem erzählen wir von Einsätzen. Wer sich die Tätigkeit dann vorstellen kann, nimmt am Grundlagenkurs teil.“


In diesem gibt es unter anderem Rollenspiele, mit denen Szenerien nachgestellt werden. „Die werden sehr real und führen die Teilnehmer schnell an ihre Grenzen“, so Hüllen. Bei manchen seien auch Mitarbeiter der Rettungswache dabei. „Sie erzählen unter anderem von ihren Einsätzen.“ Zudem sind sie oft Ansprechpartner am Einsatzort. Auf die Frage, ob es auch Momente der Hoffnung gebe, antwortet Ursula Hüllen. „Ja, wenn die Leute so weit gefestigt sind und sagen, dass wir gehen können.“ Sascha Kappel

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