Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert Gastro-Führerschein
Kreis. Mehr Qualität hinterm Kneipentresen fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auch im Kreis Coesfeld. Passieren soll das über den „Gastro-Führerschein“, einen Berufstest für Wirte, der ihnen die „Lizenz zum Zapfen“ erteilt. Die bisherigen Auflagen seien nicht ausreichend, wie NGG-Geschäftsführer Mohamed Boudih sagt. „Momentan braucht es außer einem Gesundheitszeugnis, einem guten Schufa-Eintrag und einem Kurs bei der IHK nichts weiter, um eine Gastronomie zu eröffnen.“ Das sei zu wenig. „Der Gast muss sich darauf verlassen können, dass die Qualität stimmt.“ Dazu zählt für Boudih nicht nur die Hygiene. „Auch Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und betriebswirtschaftliches Know-how müssen beachtet werden. Wir wollen, dass Gastronomen fundiertes Wissen besitzen.“ Die Gastrolandschaft beweise nicht immer 1A-Qualität.
Ziel der Idee ist es nicht dafür zu sorgen, dass Gastronomen ohne Führerschein schließen müssen. „Unser Ziel ist es die zu schützen, die richtig arbeiten. Denn nicht alle sind Schmuddel-Kinder.“ Allerdings bestünde durch einen Gastro-Führerschein schon die Chance, die Spreu vom Weizen zu trennen. „Wer öfter durchfällt, müsste bei einer Umsetzung mit einem Verbot rechnen.“
Noch ist der Gastro-Führerschein eine Idee, denn bis zu einer möglichen Realisierung müssen Hürden genommen werden. Behörden und zuständige Ämter müssten mit ins Boot geholt werden und mit IHK und dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) gesprochen werden. „Wir möchten gerne, dass mit uns diskutiert wird, auch anknüpfend an die Hygiene-Ampel.“ Diese ist momentan noch in der Schwebe und sieht für Gastronomen ein gleichzeitiges Ampel-und Punktesystem (0 bis 80) vor, das deren Hygiene für alle sichtbar beurteilt.
Thorsten Hellwig von der DEHOGA NRW ist von der Idee eines Gastro-Führerscheins angetan. „Gespräche kann ich mir ganz klar vorstellen“, so der Pressesprecher. Themen wie Hygiene, Lebensmittel, Recht könnten eine Möglichkeit sein. „Wir wollen keine unüberwindbaren Hürden aufbauen, aber was denkbar ist, ist dass die Zulassungsvoraussetzung bei gering Qualifizierten strenger werden.“
Allerdings sieht Hellwig den Gastro-Führerschein nicht als Ergänzung zur Hygiene Ampel, denn von der hält der DEHOGA nichts. „Diese gaukelt einem Pseudotransparenz vor. Wenn ein Gastronom mit grün eingestuft wird, der aber nur 36 Punkte hat, wird man verunsichert.“ Ein weiteres Problem sei, dass mit der Ampel in der Gastronomie begonnen werden soll. „Ehec und Gammelfleisch haben in der Industrie stattgefunden. Vergesst die Ampel, lasst uns den Führerschein machen und effizient arbeiten.“
Hans Günter Werner von der Wirtegemeinschaft Dülmen kann sich dem nur anschließen. „Den Gastro-Führerschein würde ich auf jeden Fall unterstützen.“ Auch er bemängelt unter anderem den Kurs der IHK, der bei vielen nur Frikadellen-Schein heißt. „Da sitzt du nur rum und lernst nichts. Im Grunde kann man da auch mit seinem Handy spielen.“ Eine Freundin habe diesen vor kurzem gemacht. „Sie erzählte mir, dass sie einen Film schaute, in dem Mäuse mit der Einblendung „böse“ gezeigt wurden.“Sascha Kappel