Das Verbreitungsgebiet

Natur in kleiner Schachtel

Auch immer mehr Künstler fragen sich, wie sie mit der Umwelt umgehen und welche Materialien sie dementsprechend einsetzen. Deshalb gibt es weltweit immer mehr Kunstwerke aus Naturmaterialien.

Wollen mehr Kunst auf Naturbasis unter die Menschen bringen: Petra Nijman (l.) von der Galerie Brücke und der Künstler Juan Petry, der einen „Färbergarten“ in Spanien betreibt. Foto: bit

Der deutsch-spanische Künstler Juan Petry betreibt einen von der Unesco unterstützen „Färbergarten“ südlich von Barcelona, in dem Pflanzen angebaut werden, aus denen nachhaltige Kunst produziert werden kann. Auch in Asbeck hat diese inzwischen Einzug gehalten. „Art Surprise“ – zu deutsch überraschende Kunst – heißt das Projekt, unter dem inzwischen 75 Automaten in Deutschland, Österreich und Spanien betrieben werden. 

Schon vor zwei Jahren wurde der etwas andere Automat in Asbeck in Betrieb genommen, somit war es der erste in NRW. Es gibt verschiedene Kategorien wie Malerei, Fotografie, digitale Kunst oder Zeichnungen im Automaten. Die Künstler haben die Aufgabe, in einer Box von nur neun mal fünf mal zwei Zentimetern ein kleines Kunstwerk von sich unterzubringen. „Außerdem müssen sich die Künstler fragen, wie sie es hinbekommen, dass Kontakt zu ihnen aufgenommen wird“, sagt Juan Petry. Eine Visitenkarte muss nämlich auch beigelegt werden. 244 Künstler mit insgesamt 25.000 Kunstwerken sind inzwischen „in den Automaten“ unterwegs. 

Eine Anlaufstelle für Künstler aus aller Herren Länder ist die Künstlerresidenz mit dem Namen „Casa del dragon“ (Haus des Drachens) in Spanien. Künstler und Kreative kommen dort zusammen, tauschen sich aus, fertigen Kunst an oder kommen einfach zur Ruhe. Auch Petra Nijman von der Galerie Brücke war bereits dort und zeigte sich begeistert von dem Ambiente. „Nach einem Tag merkte ich, dass ich angekommen bin und der Druck von mir abfällt.“ Im dort ansässigen Färbergarten wachsen genügend Blumen, Pflanzen und Obst, um damit 18.000 Rezepte für die Herstellung von Farben zu gewinnen. So lässt sich zum Beispiel eine sehr langlebige Tinte aus Granatäpfeln produzieren. 

Diese nachhaltige Kunst wird für die Automaten inzwischen in weiße Boxen verpackt, normalerweise sind die Boxen schwarz. „Ziel wäre langfristig, dass die weißen die schwarzen Boxen verdrängen“, hofft Juan Petry, der findet: „Nachhaltige Kunst macht nachhaltige Kultur.“ Früher habe es ja auch keine Chemie gegeben, und trotzdem gab es viele Kunstwerke. 

Galerien oder andere kulturelle Einrichtungen können einen solchen Automaten bestellen, müssen aber mit einer Lieferzeit bis zu einem Jahr rechnen. „Da steckt viel Potenzial drin“, denkt Juan Petry über das grenzüberschreitende Projekt. Künstler, die Interesse an nachhaltiger Kunst haben, können sich auch in der Galerie Brücke an der Brückenstraße 3 melden: Tel. 0 25 66/55 92 70.