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Nicht auf lange Bank schieben

Wie sieht die Zukunft des eigenen Unternehmens aus? Wann ist es Zeit für den Ruhestand? Und wer folgt in den Chefsessel?

Kaufpreis ist nicht gleich Marktwert – einer von vielen Fallstricken bei der Übergabe eines Unternehmens an einen Nachfolger.

Diese Fragen sollten Firmeninhaber sich frühzeitig stellen. Das tun aber längst nicht alle, wie Thomas Brühmann, Prokurist bei der Wirtschaftsförderung für den Kreis Coesfeld (wfc) weiß.

„Ab 50 Jahren sollte man sich Gedanken machen über die Nachfolge im eigenen Unternehmen“, so Thomas Brühmann. Die wfc hilft dabei beratend, organisiert unter Anderem Innovationsimpulse und Workshops. Dabei stehen immer andere Bereiche des komplexen Themas im Fokus. So konnten sich angehende Ruheständler, aber auch an einer Übernahme Interessierte über Themen wie zum Beispiel die rechtlichen Bedingungen informieren.

„Wichtig ist es, einen Notfallplan zu haben“, so Thomas Brühmann. Auch wenn sich vermutlich niemand gerne Gedanken über einen solchen Fall macht, ist es dennoch wichtig. „Wer ist dann zur Unterschrift berechtigt?“, nennt Thomas Brühmann nur eine Frage, die sich dann stellt. In der Nachfolge spielen immer auch psychologische Faktoren eine Rolle. Es geht darum, vom Lebenswerk loslassen zu können und eventuell in der Familie umstrittene Entscheidungen zu fällen. „Man lässt immer jemanden außen vor, wenn man einen Nachfolger bestimmt“, so Thomas Brühmann.

Und auch bei der Übergabe an externe Nachfolger lauern Schwierigkeiten auch im zwischenmenschlichen Bereich. Doch auch wenn der Nachfolger fest steht, kann es zu Differenzen kommen. „Kaufpreis ist nicht gleich Unternehmenswert“, gibt Thomas Brühmann zu bedenken. Was ist zum Beispiel, wenn der Wert des Unternehmens höher ist als der Kaufpreis, den der ausgewählte Nachfolger zahlen kann?

Unternehmer müssen sich dann die Frage stellen, ob sie auf Geld verzichten, um den Wunschnachfolger als neuen Chef zu installieren. Ein weiterer Punkt: Häufig trauen sich mögliche Nachfolger gar nicht, den Schritt in die Selbstständigkeit zu. Ein denkbarer Faktor, warum sich zum Beispiel niemand aus der eigenen Belegschaft als möglicher neuer Eigentümer hervortut. Die Wirtschaftsförderung vermittelt im Zweifel zwischen den Parteien, informiert über wichtige Parameter und kann den ein oder anderen Punkt anstoßen. Wichtig – eine finanzielle Einschätzung oder Beratung findet nicht statt.

Wie wichtig es ist, diese aber ebenfalls frühzeitig anzugehen, weiß Thomas Brühmann. „Das Unternehmen muss zukunftssicher bleiben, damit ein guter Nachfolger gefunden wird“, betont er. Probleme unter den Teppich zu kehren und nicht anzugehen, führt am Ende nur dazu, dass das Unternehmen für den Markt unattraktiv wird. Eine rechtzeitige Förderung über eine Potentialberatung, wie sie auch über die wfc angeboten wird, kann dabei helfen. „Man muss im Auge behalten, dass nicht das Lebensalter, sondern die wirtschaftliche Verfassung eines Unternehmens das entscheidende Kriterium für den Erfolg ist“, so Thomas Brühmann.

Zu guter Letzt sollten sich Firmeninhaber nicht nur über die Übergabe selbst, sondern auch über die Zeit danach Gedanken machen. „Es ist sehr sinnvoll, sich einen Plan für den Ruhestand zurecht zu legen“, so Thomas Brühmann. Es gibt übrigens keine Branche, die von einem Nachfolgemangel überproportional häufig betroffen ist, erläutert der Fachmann. Vielmehr sei immer der Einzelfall ausschlaggebend für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung.