Das Verbreitungsgebiet

Aus dem Partykeller in die Ausstellung

Der Name Otto Kirschneit wird nicht vielen Dülmenern ein Begriff sein. Dabei zählte dieser zu den produktivsten Malern der Tiberstadt. Einige seiner Werke sind ab Freitag (1. März) in der Artothek Münsterland zu sehen.

Freuen sich auf die Vernissage (v.l.): Alfons Kirschneit, Rüdiger G. Behrens und Udo Schotten (beide Artothek)

Dass dem so ist, ist gleich mehreren Zufällen zu verdanken. So hing im Keller der Mutter von Rüdiger G. Behrens (Geschäftsführer der Artothek) ein Bild „Mönch mit Rettich“. Dieses Bild hatte die Mutter in den 70er Jahren von einem Verehrer geschenkt bekommen. Aus der Liaison wurde nichts, aber der Mönch durfte bleiben.

Rüdiger G. Behrens wollte mit dem klassischen Öl-Bild eine weitere Stilrichtung in das Sortiment der Artothek aufnehmen. Eine Schulklasse besuchte die Artothek und ein Mädchen erkannte in dem „Mönch mit Rettich“ ein Bild ihres Opas Otto Kirschneit.

„Über Facebook habe ich dann Kontakt zu dessen Sohn Alfons Kirschneit aufgenommen“; erinnert sich Behrens. Schnell wurde der Entschluss gefasst, Werke des Dülmeners in der Artothek auszustellen.

„Ich kenne ihn nur malend“, so Alfons Kirschneit. Immer hätten ein oder zwei Bilder darauf gewartet, vollendet zu werden. Häufig waren es Auftragsarbeiten, aber nicht nur. „Häufig kamen Bekannte mit Postkarten und wollten das Motiv in Öl gemalt haben“, blickt er zurück. Da viele der Bilder verschenkt wurden, sind die Werke Otto Kirschneits wohl in ganz Deutschland verteilt. Manchmal, schmunzelt Alfons Kirschneit, sei seine Schwester mit einem Bild unter dem Arm in den Zug gestiegen, um dieses in Dortmund an die Verwandtschaft zu übergeben.

Ob als Auftragsarbeit, als Flucht vor Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg, den Otto Kirschneit als Soldat und in Gefangenschaft erlebt hat, oder als Ventil zum Entspannen – die Bilder zeigen neben klassischer Kunst in Öl eine Bandbreite an Stilrichtungen. „Er hat mit sehr viel experimentiert“, erinnert sich der Sohn.

Dass ein solch zeitintensives Hobby in der Nachkriegszeit keine Selbstverständlichkeit war, weiß Alfons Kirschneit sehr wohl. „Wir waren eine achtköpfige Familie, es war einfach bewundernswert, dass meine Mutter ihm die Zeit dafür gegeben hat“, betont Alfongs Kirschneit. Viele Erinnerungen sind mit der Malerei verknüpft, so habe der Vater am Samstagmorgen immer schon an seinem Platz vor dem Fenster gestanden und an einem Bild gearbeitet.

Einige Werke wie das Porträt von Kardinal Graf von Galen oder Schwester Maria Euthymia waren an öffentlichen Orten zu finden, die allermeisten kamen allerdings in Privathaushalte. So hofft Rüdiger G. Behrens denn auch, dass sich der Grundstock von 17 Bildern bei der Ausstellungseröffnung am kommenden Freitag um 18 Uhr noch spontan vergrößert. „Schön wäre es, wenn jeder noch einmal auf seinem Dachboden nachschaut, ob dort noch ein Kirschneit liegt und diesen einfach mitbringt“, ruft er alle Dülmener auf.