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Ein guter Weg

Alles begann mit einem Schicksalsschlag. Gundula Holles Vater erkrankte an Parkinson. Wie so viele Betroffene wurde es für ihn zusehends schwerer, sich auszudrücken. Die Künstlerin suchte nach neuen Wegen - und fand sie in der Malerei.

Gundula Holle ist Künstlerin durch und durch. Sie weiß, dass Malen ein höchst kommunikativer Akt ist und will das an Erkrankte weitergeben. Foto: as

Nottuln. „Ich dachte mir: ja, das ist eine Möglichkeit“, erinnert sich die Nottulnerin, die in der Bernhard-Letterhaus-Straße 3 in Nottuln im Kunstatelier-Nottuln aktiv ist. Etwas passierte mit ihr, etwas, dass "ihr Herz berührte". Ihr Vater konnte sich in der Malerei verwirklichen und auch Gundula Holle merkte selbst, wie sehr ihr die Kunst dabei half, Vergangenes zu verarbeiten. 

Eine Erfahrung, die sie auf eine Idee brachte. Schon immer hat sie sich gefragt, wie sie ihre Berufung Malerei mit einer sozialen Aufgabe in Einklang bringen könnte. Plötzlich schien klar, dass genau hier, in der Malerei mit und für kranke Menschen, diese Aufgabe liegen könnte. Gundula Holle sammelte weitere Erfahrungen, erlebte, wie Patienten unter Begleitung ihrer Angehörigen plötzlich die neue Ausdrucksform nicht nur annahmen, sondern sich regelrecht dafür begeisterten. „Ein Mann malte beispielsweise eine Bank, auf der er in seiner Jugend immer gesessen hat“, erinnert sie sich an prägende Erlebnisse.

Ihr Wunsch wäre es, in ihrem Atelier eine feste Gruppe zu installieren. Nein, Gewinn will die Künstlerin mit dem Projekt nicht machen, die Teilnahme ist zum Selbstkostenpreis für das Material möglich. Vielmehr merke sie, so Holle, dass sie mit 56 Jahren am Ende des Berufslebens noch viel Energie habe. Und noch viel Elan, etwas weiterzugeben. Dabei soll neben der Malerei auch der soziale Kontakt eine Rolle spielen. „Ich habe festgestellt, dass ich während der Erkrankung meines Vaters viele weitere Betroffene getroffen habe“. Kommt eine solche Malgruppe zustande, könnten die Teilnehmer sich nicht nur in den Kunstwerke ausleben, sondern auch über ihre Erfahrungen austauschen.

Eine Hemmschwele braucht niemand fürchten. Es werden weder besondere künstlerische Vorkenntnisse erwartet, noch gibt es räumliche Hindernisse. Das Atelier von Gundula Holle ist komplett barrierefrei. Wer sich für einen solchen Kurs interessiert, kann bei der Künstlerin anrufen und einen ersten Termin vereinbaren. Es gibt keinerlei Verpflichtungen, weder was Dauer noch Intensität der Teilnahme angeht. Jeder kann in seinem eigenen Tempo mitmachen. Und wer weiß, vielleicht finden sich Gleichgesinnte, die künftig gemeinsam durch das Malen wieder ein Stück weiter zur Welt finden. 

Info: Gundula Holle, Kunstatelier-Nottuln, Bernhard-Letterhaus-Straße 3, Tel.: 0160/99710709, info@kunstatelier-nottuln.de