Das Verbreitungsgebiet

Zu Fuß gehen soll Spaß machen

In der Diskussion um die Zukunft der Mobilität stehen das Auto und das Fahrrad im Fokus. Dabei wird der Fußverkehr in vielen Kommunen stiefmütterlich behandelt. Coesfeld gehört zu den bundesweit sieben Modellstädten, die 2018 für das Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“ ausgewählt wurden. Jetzt fand das Abschlussgespräch statt.

Das Fußverkehrsstrategie-Team freute sich über die Urkunde.

Das Projekt startete am 15. November 2018 mit einem Vorgespräch bei der Stadtverwaltung und anschließendem Rundgang durch die Stadt. Darüber hinaus fand am 28. Februar vergangenen Jahres ein Fußverkehrsstrategie-Workshop mit Stadtverwaltung, Verbänden und Interessenvertretungen statt. In der gleichen Woche wurde ein Fach-Fußverkehrs-Check und am 27. Juni ein öffentlicher Fußverkehrs-Check in Coesfeld durchgeführt.

Patrick Riskowsky und Bertram Weisshaar vom Fachverband Fußverkehr Deutschland (Fuss e.V.) aus Berlin, der das Projekt begleitet hat, diskutierten jetzt die Ergebnisse mit den zuständigen Fachleuten aus der Verwaltung der Stadt Coesfeld.

„Der Fußverkehr als eigene Verkehrsart ist noch nicht in den Köpfen aller Menschen verankert. Aber ein steigendes Umdenken in der Bevölkerung macht sich bemerkbar. Vielen macht es aufgrund der Fitnesswelle Spaß, zu Fuß zu gehen. Damit es auch in den Städten und Gemeinden Spaß macht, muss der Fußverkehr gefördert werden“, meinen die beiden Diplom-Ingenieure Patrick Riskowsky und Bertram Weisshaar.

Eine herausragende Bedeutung habe der Fußverkehr in Coesfeld vor allem bei Wegen bis zu einem Kilometer, aber auch bis zu zwei Kilometern sei dieser noch erheblich. Die wichtigsten Ziele der Fußgänger seien dabei konzentrierte Standorte mit Einhandels-, Versorgungs- und Verwaltungseinrichtungen wie die Innenstadt, aber auch Schulen und der Bahnhof.

Als besondere Barriere gilt die in Nord-Süd-Richtung westlich der Innenstadt verlaufenden Gleisanlagen, wo es an entsprechenden Querungsstellen zur starken Konzentration des Fußverkehrs kommt.

Defizite werden neben der Trennwirkung der Gleisanlage auch in dem stellenweise Fehlen von Überquerungsstellen für Fußgänger an stark Kfz-belasteten Straßen erkannt.

Die Experten haben fehlende Bordsteinabsenkungen und Missstände in den Wohnquartieren ausgemacht, die abgesehen von mangelnden Breiten und nicht barrierefreien Überquerungsmöglichkeiten im Fehlen von Verweilangeboten bestehen.

Besonders groß sind die Defizite in den Nebenstraßen, die meist geprägt sind von sehr schmalen Gehwegen und mangelnder Gestaltung des öffentlichen Raumes mit häufig monotonen Hausfassenden aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem die Stadt stark zerstört wurde.

„Wir erheben selbst den Anspruch an eine fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt zu sein, wobei der Fokus noch stark auf den Radverkehr gerichtet ist“, gab Ludger Schmitz (Fachbereichsleiter Planung Bauordnung Verkehr der Stadt Coesfeld) zu.

Coesfeld gelte als Einpendler-Stadt. „Die Fußwege vom gerade neu entstehenden Bahnhof, von den Park and Ride-Parkplätzen und den Parkplätzen vom konzert theater coesfeld aus in die Innenstadt werden als vorbildlich bezeichnet. Nur die Aufenthaltsdauer an manchen Ampeln wird als verbesserungswürdig eingestuft“, so Schmitz weiter, der zusammen mit seinen Verwaltungskollegen die Teilnahmeurkunde des Fuss e.V. entgegennahm. Die Ergebnisse werden nun in das Coesfelder Verkehrskonzept eingearbeitet.

Wer Fragen zum Projekt hat, kann sich an Holger Ludorf wenden im Fachbereich Planung, Bauordnung, Verkehr, Telefon 0 25 41/9 39 13 06.