Das Verbreitungsgebiet

Fast wie im Beutel eines Känguru(h)s

Die Kinderintensivstation der Kinder- und Jugendklinik der Christophorus-Kliniken in Coesfeld verfügt jetzt über spezielle Stühle, in denen Mütter und Väter mit ihren frühgeborenen Babys „känguruhen“ können.

Drei neue „Känguru-Stühle" konnten für die Kinderintensivstation der Christophorus-Kliniken angeschafft werden, weitere sollen folgen. Foto: Matthias Lehmkuhl

Kontinuierlicher Hautkontakt mit den Eltern hilft Frühgeborenen, sich geistig und körperlich besser zu entwickeln. Der Herzschlag der Eltern beruhigt das Neugeborene. Zudem verstärkt sich die Eltern-Kind-Bindung. Einfache Stühle sind jedoch ungeeignet. So genannte Känguru-Stühle helfen Müttern und Vätern, möglichst viel Zeit im engen Hautkontakt mit ihrem Frühgeborenen zu verbringen. Sie gehören allerdings in vielen Krankenhäusern nicht zur Standardeinrichtung. 

Die Kinderintensivstation der Kinder- und Jugendklinik der Christophorus-Kliniken verfügt jetzt über drei derartige Känguru-Stühle, dessen Anschaffung die Sparkasse Westmünsterland mit einer großzügigen Spende an den Förderverein der Kliniken erst ermöglicht hat.

„Bei uns werden in diesem Jahr über 2200 Neugeborene das Welt erblicken. Davon sind mehr als 200 Frühgeborene“, erklärt Dr. Hubert Gerleve. „Vor allem für die Frühgeborenen und ihre Eltern ist es wichtig, dass sie in dieser frühen Phase intensiven Kontakt bekommen. Dazu müssen sie bequem liegen können“, so der Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik der Christophorus-Kliniken in Coesfeld weiter. Bisher habe seine Station bessere Campingstühle gehabt, die selbstverständlich dazu nicht geeignet gewesen wären.

Känguru-Stühle sorgen durch den Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen dem Kind und seinen Eltern für eine Förderung die Eltern-Kind-Bindung. Während des „Kängu-ruhings“ wird bei der Mutter das „Kuschel“-Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das als Schlüsselhormon für die Liebe und die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung bezeichnet wird. Der frühzeitige Aufbau einer Mutter-Eltern-Kind Bindung ist wichtig für die psycho-soziale und emotionale Entwicklung ihres Kindes. „Es ist nachgewiesen, dass diese Kinder auch schlauer und intelligenter werden“, betont der Chefarzt. Alle Sinne werden positiv angeregt. Das Kind wird durch die Stimme der Mutter oder des Vaters akustisch stimuliert, hört ihren Herzschlag und kann den Körpergeruch der Eltern wahrnehmen. „Das können wir auf den Diagnosegeräten sofort erkennen“, unterstreicht Dr. Gerleve.

Diese Kängeru-Stühle hat Angelika Wennemer, Diplom Heilpädagogin bei den Christophorus-Kliniken, nach intensiver Suche gefunden. „Ich habe mich bei führenden Kliniken wie beispielsweise in der Charité in Berlin erkundigt, bevor wie diese Stühle angeschafft haben“, erklärt Angelika Wennemer. „Das enge Kuscheln hat nachweislich eine positive Wirkung auf die Kinder und fördert die Beziehung zwischen Eltern und Neugeborenem. Vor allem dann, wenn zwischen Eltern und Kind viel Hautkontakt ist“, weiß auch Angelika Wennemer.

„Die Mutter und der Vater eines Frühgeborenen haben Angst, ihr Kleines anzufassen, weil es im Vergleich eines ‚normalen‘ Neugeborenen noch viel zerbrechlicher ist. So ein Kängeru-Stuhl nimmt ihnen die Angst, weil Mutter, Vater und Kind viel sicherer liegen“, hat Dr. Hubert Gerleve festgestellt.

Die drei Stühle für die Kängeru-Methode kosten etwa 2000 Euro pro Stück. „Unser Ziel ist mittelfristig, dass wir in jedem Zimmer der Geburtenstation zwei bis drei dieser Känguru-Stühle platzieren können“, hofft Dr. Hubert Gerleve auf weitere Exemplare.

Diesen offensichtlichen Wink mit dem Zaunpfahl nehmen Werner Jostmeier, Vorsitzender des Fördervereins der Kliniken, sein Schatzmeister Norbert Winkelhues, Dr. Jan Deitmar als Geschäftsführer der Christophorus-Kliniken und Hans-Georg Krumme, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland mit in das kommende Jahr.