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Man(n) muss auch mal Bein zeigen

Im sportlichen Dress stattete Ralf Jäger, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Bürgermeister und der evangelischen Kirche am Marktplatz einen Besuch ab. Das hatte seinen Grund: Zuvor war er mit dem Rad in Schöppingen und Rosendahl unterwegs, um sich ein Bild von den Menschen vor Ort zu machen.

 

Fachsimpeln vorm Altar: NRW-Innenminister Ralf Jäger (M.) gestikuliert, Ralf Nielsen (l.) und Heinz Öhmann hören zu. Foto: bit

Coesfeld. In der ehemaligen Jesuitenkirche berichtete Lore Schorn, Leiterin der evangelischen Gemeindebücherei, vom Mentoring Coesfeld. Dort wurden in den vergangenen fünf Jahren mehrere Projekte zur Sprach- und Leseförderung gestartet. „Hilfe zum Lesen ist auch Hilfe zum Leben“, sagte Schorn auch vor den Fraktionsvorsitzenden aus dem Rat der Stadt, die sich ebenfalls eingefunden hatten. Dank des Mentorings bezeichnete Lore Schorn Coesfeld als „besonderen Punkt auf der Leseförderungslandkarte“. Marlis Terlinde und Edwin Kraft von der Coesfelder Bürgerstiftung stellten Ralf Jäger das Wirken der Bürgerstiftung näher vor. „Die Jugendarbeit überwiegt“, stellte Kraft den wichtigsten Punkt heraus. Kindern solle der richtige Umgang miteinander vermittelt werden.

Dann trat Ralf Jäger nach vorne und merkte erst mal mit einem Lächeln an: „Ich weiß nicht, ob hier schon mal jemand in Radlerhose gestanden hat.“ Er nutze die Touren mit dem Fahrrad, um rauszukommen und den direkten Kontakt mit den Menschen zu haben. In seinen Worten sprach er besonders das Thema Ehrenamt an. „Der Staat könnte es nie ersetzen“, betonte er und lobte die Identifikation mit der Kommune in einer Stadt wie Coesfeld. „Experten sind die Bürger selbst, die Politik sollte nur den Rahmen schaffen“, fand er. Pfarrer Lothar Sander nutzte noch die Chance und wies Jäger auf den Modernisierungswunsch der Kirche hin. „Der positive Aspekt: Wir haben das Geld! Negativ: Es ist in euren Portemonnaies!“, richtete er sich an die Zuhörer. Jäger versicherte, eine Infoblatt über die Kirche an den zuständigen Minister Groschek weiterzuleiten, damit der geplanten Streichung von Denkmalmitteln entgegengewirkt wird. Hilfreich in dem Zusammenhang könnte sein, dass die Kirche mal dem Land NRW gehörte, so der Innenminister.