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Keine Mitglieder, kein Verein

Die Freilichtbühne Coesfeld hat Probleme, Vorstandsposten zu besetzen. Auch fehlen beim Bühnenbau, in der Kostümschneiderei und vielen weiteren Bereichen helfende Hände. Die Mitglieder fragen sich, wie es weitergehen kann.

Leere Bühne? Ohne fleißige Helfer sind die Produktionen der Freilichtbühne Coesfeld nicht möglich. Alle Mitglieder tragen zum Erfolg der Produktionen bei.

Jonas Tenkamp ist der stellvertretende Vorsitzende der Freilichtbühne Coesfeld. Er sagt, dass die Anforderungen in den vergangenen Jahren in allen Bereichen des Vereins gestiegen seien. „Wir wollen unseren Zuschauern jedes Jahr eine hochwertige Saison ermöglichen. Da es uns aber nicht gelingt, neue Mitglieder zu werben, sind es im Kern seit vielen Jahren die gleichen Leute, die sich engagieren“, sagt Tenkamp. Zusätzlich zum Berufs- oder Schulalltag sei das in der Intensität kaum noch umzusetzen. Schon 2012 war das zu spüren. Aus diesem Grund stellte die Freilichtbühne Coesfeld nach Jahrzehnten die Wintermärchen ein. 

Auch der Vorstand sei seit Längerem am Limit, weil viele der Posteninhaber seit Jahren die Position innehaben. Interessenten für die Posten zu finden, ist nicht einfach. Neue Impulse zu setzen, sei so kaum möglich.

Die Lage ist so prekär, dass jüngst eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen wurde. Die zeigte auf, dass die Mitglieder die Freilichtbühne mittlerweile mehr als Unternehmen wahrnehmen. Das gesellige Miteinander bliebe auf der Strecke. „Gut ist, dass wir nun alle schauen, wie wir da wieder hinkommen können. Dazu gehört auch zu gucken, dass wir auf jene Mitglieder zugehen, die in der Vergangenheit nicht mehr gekommen sind. Wir müssen fragen, was der Auslöser war.“ Ebenso sei es wichtig, die Bühne für neue Mitglieder noch mehr zu öffnen.

Tenkamp weist auf den Freilichtbühnen-Gründer Stefan Rüter hin. „Sein Gedanke war, gemeinsam als Amateure mit Spaß, Freude und Liebe Stücke für das Publikum auf die Bühne zu bringen — ohne Druck.“ Derzeit sucht der Verein nach einer Lösung, um auch in den kommenden Jahren Stücke anbieten zu können. Schafft der Verein es nicht, neue Mitglieder zu gewinnen, sei laut Tenkamp eine Überlegung, den Aufwand für die Produktionen herunterzusetzen.

Dieser Gedanke kreist derzeit innerhalb des Vereins, wie der stellvertretende Vorsitzende sagt. „Wir sind keine Profis und wir denken, dass auch niemand von uns erwartet, dass wir Hochglanz-Produktionen auf die Beine stellen.“ Tenkamp sagt, dass der Zuschauer es dennoch merken würde, wenn alle Vereinsmitglieder mit Leidenschaft am Werk seien. „Es ist ein Hobby. Dann ist der ein oder andere Ton schief, dann gibt es etwas weniger Bühnenbild oder schlichtere Kostüme. Aber wir müssen gucken, dass wir, wie viele andere Vereine auch, in Zukunft existieren können — gerade mit Hinblick auf unser 70-jähriges Bestehen im Jahr 2021.

Der stellvertretende Vorsitzende hofft, dass es gelingt, für die vielen Bereiche neue Mitglieder werben zu können. „Das würde uns jede Menge Druck nehmen. Wir wissen, dass wir etwas ändern müssen. Letztlich zeigt sich jedes Jahr doch, dass es das wert ist, was wir hier machen. Wir wissen, dass Gemeinschaft der Schlüssel ist.“ Eines sagt Jonas Tenkamp deutlich: „Jeder von uns liebt, was wir tun. Für viele ist die Freilichtbühne ein zweites Zuhause. Das darf nicht kaputtgehen.“