Das Verbreitungsgebiet

Wachsen als lebenswerte Region

Er hat über Jahrzehnte die Geschicke des Kreises Coesfeld geprägt. Jetzt ist Kreisdirektor Joachim L. Gilbeau in den Ruhestand verabschiedet worden. Eine gute Gelegenheit für ein Interview mit StadtAnzeiger-Redakteurin Alexandra Schlüter.

Letzter offizieller Auftritt im Amt: Kreisdirektor Joachim L. Gilbeau verabschiedete sich von den rund 200 geladenen Gästen beim Festakt auf Burg Vischering in Lüdinghausen.

Herr Gilbeau, der Kreis Coesfeld gilt als fortschrittlich und wirtschaftlich solide. Haben Sie Ihrem Nachfolger ein gut bestelltes Feld hinterlassen?

Joachim L. Gilbeau: In zahlreichen Gesprächen habe ich mit Dr. Linus Tepe den Übergang vorbereitet und das Arbeitsprogramm für dieses Jahr erörtert. Dr. Tepe findet eine hoch motivierte Mannschaft vor, die offen ist für Neuerungen und mich stets loyal unterstützt hat. Insoweit ist die Basis für eine erfolgreiche Arbeit gelegt, und ich bin zufrieden mit dem Erreichten.

Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Anliegen, die auf Herrn Tepe warten?

Joachim L. Gilbeau: Dr. Tepe kommt zu einer spannenden Zeit, und es wird nicht langweilig in der Kreisverwaltung. Digitalisierung der Verwaltung und Mobilität im ländlichen Raum werden sicherlich zentrale Themen sein.

Die Zusammenarbeit aller politisch Verantwortlichen in einem Kreisgebiet verläuft nicht immer harmonisch. Wie bewerten Sie dies für den Kreis Coesfeld?

Joachim L. Gilbeau: Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Von der Seite betrachtet, bewerte ich deshalb in der Rückschau die Auseinandersetzungen mit den Kommunen als akzeptabel; auch wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle eine kooperativere Zusammenarbeit und mehr Orientierung an der Sache gewünscht hätte. Dennoch: Es ist uns gemeinsam gelungen, den Kreis zu einer wirtschaftlich gesunden Region mit geringer Arbeitslosigkeit und hoher Lebensqualität weiter zu entwickeln. Und das ist für alle Beteiligten das Wesentliche.

Gibt es Meilensteine, an die Sie persönlich in Ihrer Dienstzeit besonders gerne zurückdenken?

Joachim L. Gilbeau: Wichtig war es, als eine von 69 sogen. Optionskommunen im Jahre 2004/2005 mit dem Jobcenter unmittelbar Verantwortung für Arbeitssuchende zu übernehmen. Gemeinsam mit den Kommunen und den übrigen Akteuren am Arbeitsmarkt ist es gelungen, die Basis für die anhaltend niedrigste Arbeitslosenquote in NRW zu schaffen.

Die Teilnahme am European Energy Award hat das Bewusstsein für eine aktive Umweltpolitik in Verwaltung und Politik geschärft und innovative Projekte hervorgebracht. Schließlich konnte mit der Renovierung der Burg Vischering in Lüdinghausen eine „kulturelle Perle des Münsterlandes“ entwickelt werden.

Gäbe es Projekte, die Sie noch gerne umgesetzt hätten, zu denen es aber nicht (mehr) gekommen ist?

Joachim L. Gilbeau: Es wäre sicherlich spannend gewesen, an den Themen Digitalisierung und Mobilität weiter mitzuwirken. Nichts ist beständiger als der Wandel, und so konnte manches eben nur angestoßen werden.

Was würden Sie sich persönlich für den Kreis Coesfeld wünschen?

Joachim L. Gilbeau: Der Kreis ist in vielen Bereichen erfolgreich unterwegs. Ich wünsche mir, dass auch zukünftig die richtigen Fragen gestellt, zukunftsfähige Lösungen gefunden und verwirklicht werden. Verbleibt es zudem bei der positiven Streitkultur in den politischen Gremien, habe ich keine Sorge, dass sich der Kreis auch zukünftig im Wettbewerb behaupten wird und als lebenswerte Region wachsen wird.

Werden Sie sich weiter politisch engagieren und falls ja, in welcher Form?

Joachim L. Gilbeau: Mein Amt war sicherlich politisch, aber nun folgt etwas Neues abseits des Bisherigen. Dazu gehört neben anderem mein Engagement in der „Inge und Wolfgang Tietze Stiftung“.

Die klassische Frage zum Ruhestand: Welche Aktivitäten stehen nun an?

Joachim L. Gilbeau: Die bisherigen Aktivitäten Reisen und Radfahren bleiben; hinzu kommt das Thema Golfen.

Die wichtigste aller Fragen für Sie Schalke-Fan: Wann - glauben Sie - wird Ihr Verein Deutscher Meister?

Joachim L. Gilbeau: Realistisch betrachtet, wird es zunächst darauf ankommen, dass S?04 Anschluss an die Spitze in der Bundesliga findet und sich international qualifiziert. Die Meisterschaft sehe ich noch in weiter Ferne.