Das Verbreitungsgebiet

Vielversprechender 2. Anlauf

Der Kreisverband Coesfeld im Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) stellt nach zwei Jahren erneut einen Antrag auf Kostenübernahme einer Fachstelle gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Der Träger ist optimistisch, dass die Politik diesmal dem neuen niederschwelligen Konzept zustimmt.

Hoffen darauf, dass der Antrag beschlossen wird: Dr. Antje Klüber (1. Vorsitzende) und Geschäftsführerin Uta Kerckhoff (v.l.).

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist allgegenwärtig. Jede Woche werden in Deutschland zwei Kinder Opfer eines Tötungsdelikts. Fast 50 Kinder in der Bundesrepublik werden pro Tag misshandelt oder sexuell missbraucht.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um das sogenannte Hellfeld. Die Dunkelziffer ist beträchtlich höher“, betont Ute Kerckhoff, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes Kreisverband Coesfeld anlässlich eines Pressetermins in der vor einem halben Jahr bezogenen Geschäftsstelle in der Coesfelder Gartenstraße 12.

Gewalt gegen Kinder stelle ein aktuelles gesellschaftliches Problem auf dem Land wie in der Stadt dar. „Ein sechs Jahre altes Mädchen hatte sich mir mal anvertraut und erzählt, ihrem Onkel erzählt zu haben, dass ihr Vater sie sexuell missbraucht. Der soll erwidert haben ‚lass mich in Ruhe mit dem Scheiß‘“, schildert Diplom-Pädagogin Ute Kerckhoff eine Begegnung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Zusätzlich nehme Mobbing durch Gleichaltrige immer stärker zu. „Fast jeder sechste 15-Jährige wird regelmäßig Opfer von teils massivem Mobbing an seiner Schule“, zeigt die Geschäftsführerin auf.  Mobbing und (sexualisierte) Gewalt in den sozialen Medien wie Facebook, Whats-App oder Snapchat komme dabei eine besondere Bedeutung zu. „Denn bereits zehn Prozent der Dreijährigen sind online, ab zwölf Jahren sind es fast 100 Prozent. Dabei besitzen schon fast ein Drittel der Sechs- bis Neunjährigen ein Smartphone. Bei den Zehn- bis Elfjährigen sind es sogar mehr als zwei Drittel. Insgesamt sind 23 Prozent der Mädchen und 16 Prozent der Jungen bereits wegen geposteter Fotos gemobbt worden“, zitiert Ute Kerckhoff aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage.

Deshalb sei es enorm wichtig, dass alle Kinder, Jugendliche und deren Familien im Kreis Coesfeld zukünftig die reelle Chance erhalten, sich unkompliziert Hilfe und Unterstützung bei Problemen im Kontext von Gewalt einzuholen. Unser Konzept sieht vor, dass wir zu den Kindern und Jugendlichen in die Städte und Ortsteile des Kreis Coesfeld fahren und ihnen unsere Unterstützung anbieten.“ In allen elf Kommunen des Kreises Coesfeld will der DKSB-Kreisverband alle zwei Wochen jeweils zweistündige offene Sprech- und Beratungszeiten anbieten, die nicht in öffentlichen Gebäuden wie Rathaus oder Ämter  stattfinden. „Was für die Kinder und Jugendlichen eine sehr hochschwellige Zugangsvoraussetzung bedeuten würde. Deshalb wollen wir  an Orten präsent sein, an denen sich die Kids sowieso bereits aufhalten wie beispielsweise Jugendzentren, Schulen oder Vereinen. Somit ist eine maximale Niedrigschwelligkeit gegeben“, unterstreicht die erste Vorsitzende und Diplom-Psychologin Dr. Antje Klüber.

Der Antrag, der jetzt in allen zuständigen politischen Gremien der elf Kommunen und  des Kreises gestellt wird, konzentriert sich auf folgende wesentliche Anforderungen:

Zweiwöchentliche psychosoziale Beratung sowie entsprechende Hilfemaßnahmen zu konstant festgelegten verlässlichen Zeiten vor Ort in allen elf Gemeinden  und Städten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern und Familien.

Zusätzliche psychosoziale Beratung sowie entsprechende Hilfemaßnahmen zu individuell vereinbarten Zeiten vor Ort,  auch in den kleineren Ortsteilen für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern und Familien.

Psychosoziale Beratung zu folgenden Themen: (traumatische) Gewalterfahrungen wie Vernachlässigung, psychische, körperliche, sexuelle, häusliche Gewalt, Mobbing, Cybermobbing, Sexting und vieles mehr.

Entwicklung einer kindgerechten Homepage, auf der die Unterstützungsangebote der Fachstelle sowie viele weitere Informationen in leichter Schrift erklärt werden.

Telefonische Beratung sowie ein intensives Online-Beratungsangebot.

Intensive Öffentlichkeitsarbeit, um auch junge Erwachsene bis 27 Jahre, Eltern, Familien, pädagogisches Fachpersonal sowie alle Bürger über das Angebot zu informieren und es für sie nutzbar zu machen und

enge Kooperation mit den zuständigen Behörden sowie fachliche und institutionelle Vernetzung bzw. die Mitarbeit in entsprechenden Gremien.

Die Gesamtkosten für diese Fachstelle belaufen sich auf eine Summe von rund 116?000 Euro jährlich, plus 4000 Euro einmalige Investitionskosten Allen möglichen politischen Gremien sei der Antrag bereits zugegangen. Doch eine vorab positive Rückmeldung sei bisher nur vom Bündnis 90/Die Grünen gekommen. Trotzdem sind Dr. Antje Kübler und Ute Kerckhoff zuversichtlich.: „Wenigstens  gab es vorab keine ablehnenden Reaktionen.“