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Hilfe gegen den Drehtüreffekt

Seit gut einem Jahr bieten die Caritas und die Techniker Krankenkasse Menschen mit psychischen Problemen eine Anlaufstelle bei Krisen und Problemen. Das Fazit nach den ersten zwölf Monaten fällt positiv aus.

Die Partner des „NetzWerk“ blicken auf ein Jahr zurück (v.l.): Johannes Böcker, Bärbel Roß (Pflegedienstleitung Caritas), Ulrich Adler (TK), Susanne Wolter (Ambulante psychische Pflege), Volker Schubach (GpG NRW) und Wilhelm Pauly (KKH). Foto: as

Kreis. Depression, Burn-Out oder Schizophrenie - Menschen mit einer psychischen Erkrankung finden sich oft in einem Teufelskreis wieder. In akuten Krisen suchen sie Hilfe in der Klinik, finden aber nach der Entlassung erst spät einen Termin bei einem Psychologen. Ein „Drehtüreffekt“ tritt ein, der Weg führt erneut in die Klinik und die Krankheit wird schlimmstenfalls chronisch.

Dem wollen die Caritas und die Techniker Krankenkasse (TK) seit einem Jahr mit einem besonderen Angebot begegnen: Niedergelassene Ärzte, Sozialarbeiter, Therapeuten und Fachpfleger bilden das „NetzWerk psychische Gesundheit im Kreis Coesfeld“, in dem Erkrankte im Krisenfall einen Ansprechpartner und darüber hinaus ganz praktische Hilfe im Alltag finden. „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum Therapeuten, sondern als ergänzendes Angebot“, macht Ulrich Adler von der TK deutlich. Und Johannes Böcker, Vorstand des Caritasverbandes Coesfeld, sieht in dieser ambulanten Betreuung eine gute Möglichkeit, Krisen abzufangen. Oft helfe es den Betroffenen schon, eine Telefonnummer in der Tasche zu haben, die sie im Notfall anrufen könnten, so Ulrich Adler. 

Derzeit stehen 40 Plätze bei der Caritas zur Verfügung, die aber bei Bedarf noch ausgebaut werden könnten. Sowohl Ulrich Adler wie auch Johannes Böcker hoffen, dass sich neben der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), die bereits mit im Boot ist, noch weitere Kassen dem Modell anschließen. „Wir sehen anhand unserer Akten, welche Menschen häufiger in Behandlung sind und schlagen diesen das Programm vor“, so Ulrich Adler. Wichtig dabei: Die Patienten müssen sich freiwillig für eine Teilnahme entscheiden, die Angehörigen werden in den Prozess eingebunden. 

Neben der persönlichen Ansprache und konkreten Strategien zur Bewältigung von Krisen stehen den Patienten Rückzugsräume offen. Bleibt sonst nur der Weg in die Klinik, können sich die Betroffen bei der Caritas - ebenfalls von Fachpersonal betreut - in einen geschützten Bereich begeben. Volker Schubach, Geschäftsführer der Gesellschaft für psychische Gesundheit (GpG) in NRW, die das Netzwerk unterstützt, sieht gerade in dieser wohnortnahen Versorgung einen großen Vorteil. „Es ist gut, die starre Trennung von stationärer und ambulanter Versorgung aufzubrechen“, so Schubach.

Das Netzwerk will weder die Behandlung in der Klinik oder beim Therapeuten ersetzen, sondern vielmehr ein Bindeglied sein. Zum einen, um Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken, aber auch, um begleitend zur Therapie Hilfestellung im Alltag zu geben. 

Die Teilnehmer, die sich bislang an das Netzwerk gewendet hätten, wären durchgehend sehr zufrieden gewesen, erläutert Johannes Böcker.