Das Verbreitungsgebiet

Eine außergewöhnliche Frau

Mal ist sie da, dann ist sie wieder weg: die

Steinmetzmeisterin Sabine Feldmann kommt immer mal wieder mit ihrer „Paula“ aus den

Baumbergen nach Münster. Eine Zufallsbekanntschaft.

Wenn die 53-Jährige mit ihrem bunt gefüllten Handwagen durch die münstersche Innenstadt zieht, um beispielsweise hinter der St.-Lamberti-Kirche auf einer Bank Platz zu nehmen oder am St.-Paulus-Dom zu stehen, zieht sie die Blicke auf sich. Sabine Feldmann ist eine außergewöhnliche Gestalt. In ihrer weiten Leinenkleidung und mit dem Tuch um den Kopf erinnert sie an eine Frau aus früheren Zeiten.
„Das ist Teil meines Kulturprojekts ‚Auf den Spuren der Bildhauerinnen im Mittelalter‘ und passt wunderbar in diese Kulisse“, sagt sie und schaut sich um. Wenn sie dann hinsetzt, erlebt sie die unterschiedlichsten Reaktionen. „Manche Menschen stehen auf und gehen, andere sind aufgeschlossen und wissbegierig“, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Feldmann möchte nichts verkaufen, sondern sie möchte berichten und die Menschen für ihr Thema sensibilisieren.

Die Handwerkerin hat eine Mission, eine Herzensangelegenheit.„ Ich will auf die Arbeit der Steinmetze aufmerksam machen. Vor allem auf die Mühen und Nöte der Männer, die nach dem Krieg am Wiederaufbau des Paulus-Doms mitgewirkt haben“, informiert die Fachfrau, die in einer Steinmetzfamilie aufgewachsen ist und in vierter Generation dieses Handwerk ausübt. Die Namen von fünf noch lebenden Handwerkern kennt sie und hat sich mit ihnen auch über ihre damalige Arbeit unterhalten.

Wenn sie mit den Menschen in der Stadt ins Gespräch kommt, kann sie viel erzählen. Von der Dombauhütte, die nach dem Krieg gegründet wurde, um Steinmetze für die Arbeit an dem Gotteshaus auszubilden. Von dem Stolz der Handwerker, deren Gesellenstücke im Dom verbaut sind. Von ihrer Wahlheimat, den Baumbergen, wo in den Steinbrüchen der Sandstein abgebaut wird. Viel unterstützendes Material hat sie dabei in ihrem Lehr- und Bildhauerwagen „Paula“, der seinen Namen in Anlehnung an die Mutterkirche des Bistums Münster erhalten hat. Typisches Steinmetzwerkzeug, erklärende Texte, Fotos aus früheren Zeiten, die die Zerstörung und die Arbeit der Steinmetze zeigen, und ein ganz besonderes Dom-Modell. Dieses lässt sich wie ein dreidimensionales Puzzle zusammensetzen.

„Mir ist es wichtig, besonders den Münsteranern zu verdeutlichen, welche Rolle die Steinmetze und Bildhauer früher in dieser Stadt hatten. Da es heute keine Dombauhütte mehr gibt, ist dieses uralte Handwerk nicht mehr so präsent“, berichtet sie. Oft habe sie erlebt, dass Menschen, die sich auf ihre Erzählungen und Erklärungen eingelassen hätten, gar nicht genug davon bekommen könnten. „Sie gehen jetzt mit ganz anderem Blick durch die Stadt. Das ist doch wunderbar“, freut sich Feldmann über solche Reaktionen.