Das Verbreitungsgebiet

Verbundschüler experimentieren

Die einen schneiden Paprika für einen Döner, andere bauen elektrische Schaltkreise und wiederum andere malen Bilder mit dem Logo eines Fußballvereins darauf.

Zeigen Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken ihren eigens gebauten Schaltkreis: Marius Finnah (l.) und Robin Schriwer (r.) von der Verbundschule Legden-Rosendahl. Foto: bit

Rosendahl/Coesfeld. Bis zur vergangenen Woche nahmen die Schüler der achten Klasse von der Verbundschule Legden-Rosendahl am Berufsorientierungsprogramm (BOP) bei der Kreishandwerkerschaft Coesfeld teil. Möglichst vielen Jugendlichen sollen realistische Einblicke in das Berufsleben gegeben werden. In Ausbildungen und Studiengängen gebe es teilweise bis zu 25 Prozent Abbrecher. Genau diesem Trend soll das BOP entgegenwirken. „Es bahnt sich ein Fachkräftemangel an“, nennt Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken einen weiteren triftigen Grund für die Aktion. „Ich habe an meinen eigenen Kindern erfahren, wie schwer es mit der Berufswahl ist“, erinnert sich Franz-Josef Niehues, Bürgermeister von Rosendahl, an seine familiäre Situation. Um diese Entscheidungen zu erleichtern, hat Schulleiter Axel Barkowsky von der Verbundschule Legden-Rosendahl seine Schüler der achten Klasse in das BOP geschickt. „Wichtig für uns ist die Nachhaltigkeit“, sagt er und wird von Konrektorin Ingrid Schulze-Langenhorst durch einen interessanten Punkt ergänzt: „Es ist auch eine Lebenserfahrung, ein paar Tage durchzuhalten, auch wenn's mir gar nicht so viel Spaß macht.“

Nach einer Potenzialanalyse werden drei Berufsfelder nach Prioritäten ausgewählt. In dem Berufszweig mit der höchsten Priorität sind die Schüler fünf, in den beiden anderen jeweils 2,5 Arbeitstage tätig. Hendrik Volmer zum Beispiel schaut sich das Metallgewerbe an. Dort erstellt er einen Teelichthalter, indem er nach einer Zeichnung mit einer Säge aus einem Stück Metall die gewünschte Form sägt. Die Schüler, die sich mit Elektronik beschäftigen, bauen Schaltkreise mit den unterschiedlichen Möglichkeiten Ein/Aus, Wechselschaltung oder Kreuzschaltung. „Mit dem Leim die Kleber aufzukleben war die größte Herausforderung“, erklären Robin Schriwer und Marius Finnah. Nicht überraschend, sind im Friseurbereich sehr viele Mädchen anzutreffen. „Für mich ist Friseurin überhaupt nichts“, muss Celina Strobach nach einigen Tagen Praxis feststellen. Anders sehen das Theresa Rudde und Hannah Schulenkorf. „Der Bereich gefällt mir am besten“, so Theresa, die sich das ganze auch für eine Ausbildung vorstellen kann.

Das Werkstück, was zum Beispiel im Holzgewerbe gebaut wird, ein modischer CD-Ständer in Gitarrenform, darf auch mit nach Hause genommen werden. Immer noch klassisch männerdominiert ist das KFZ-Gewerbe, auch dort können die Verbundschüler reinschnuppern. Die Achtklässler nehmen unter Aufsicht einen Diesel- und Benzinmotor komplett auseinander. Auch die Motorsteuerung und ein Reifenwechsel steht im Vordergrund. Ganz andere Fähigkeiten verlangt die Malerabteilung. Hier ist Kreativität gefragt. Jungs münzen diese oft in Logos ihres Lieblings-Fußballvereins um, bei Mädchen ist schon mal ein Pferd als Werk zu sehen. So auch bei Eva, die ein Voltigierpferd mit Reiter gemalt hat: „Hier kann man rumspinnen. Wenn es nicht gefällt, kann man's noch mal weiß streichen und neu machen.“ Diese dreckigen Hände, die die Schüler beim Malen bekommen, können sich die Nachwuchsköche nicht erlauben. Hier ist strenge Hygiene angesagt. Marius Niehoff schneidet gerade grüne Paprika für einen Döner, der nachher zusammen gegessen wird. „Ein Praktikum vielleicht in einem Holzbetrieb“, nennt Marius aber seinen favorisierten Wunsch. Und so nimmt jeder Verbundschüler etwas von dem BOP mit zurück nach Rosendahl.