Das Verbreitungsgebiet

Verständnis schaffen

Es geht ganz schnell: „Das Kind ist verhaltensauffällig“. Aber was tun, wenn hinter dem vermeintlichen Makel etwas ganz anderes

steckt?

Hochbegabte Kinder werden schnell abgestempelt, gerade Jungs bekommen das Stigma des Störers. Mädchen ziehen sich eher zurück, leiden aber auch unter der Unterforderung. Eliane Reichardt kennt das Thema Hochbegabung aus der eigenen Vita. Und sie weiß, dass es häufig einfach fehlende Erfahrung ist, die einer richtigen Förderung im Weg steht.

„Für mich war das einfach nur normal“, erinnert sie sich an früher. Ihre Tochter hatte einen sehr großen Wortschatz, aneineHochbegabung hat sie damals nicht gedacht. Und das tun Eltern auch erst einmal nicht, wenn sie nicht von Seiten der Erzieher oder Lehrer drauf aufmerksam gemacht werden. „Hochbegabung fängt offiziell bei einem IQ von 130 an, aber bereits bei einem IQ von 115 sind die Kinder in Kindergarten und Schule schnell unterfordert. „Hochbegabte Kinder erfahren, dass sie nicht dazu gehören, der Abstand zu den anderen Kinder wird immer größer“, so Eliane Reichardt.

 

Die Euphorie nach der Einschulung verfliege schnell, Erzieher und Lehrer sind durch ihr Studiumnicht geschult,Hochbegabung zu erkennen. „Natürlich gibt es die, die sich dafür interessieren und die Situation richtig einschätzen“, weiß Eliane Reichardt. Das sind aber noch viel zu wenige, und häufig stoßen Kinder und Eltern an die Grenzen des Schulsystems. „Wenn ein hochbegabtes Kind erst die regulären Aufgaben erledigen muss, bevor es die schwereren Zusatzaufgaben machen darf, empfindet es das als Bestrafung“, erläutert Eliane Reichardt ein Beispiel.

Sie bietet daher gemeinsam mit der Dülmenerin Melanie Gerding ehrenamtlich einen Gesprächskreis für Eltern, aber auch für Lehrer und Erzieher an. Denn es kommt schlicht darauf an, im Kindergarten oder Schulalltag die Risiken, aber auch Chancen der Hochbegabung zu erkennen. Es soll ein Austausch auf Augenhöhe sein, der langfristig dazu beiträgt, das Verständnis für die Kinder zu wecken und positive Impulse in die Bildungslandschaft zu tragen. Für Eltern bietet der Gesprächskreis eine Möglichkeit, sich auszutauschen und vielleicht auch die eigene Geschichte besser zu verstehen. „Einige Eltern erfahren erst durch ihre Kinder von der eigenen Hochbegabung“, macht Eliane Reichardt auf einen verblüffenden Zusammenhang aufmerksam.

Derzeit finden die kostenlosen Gesprächskreise an jedem zweiten Montag im Monat ab 19.30 Uhr im Café Auszeit in Nottuln statt. Eine Anmeldung unter Telefon 0 25 02/4 02 69 00 oder coesfeld@ dghk-rr.de ist erforderlich.