Das Verbreitungsgebiet

Ein völlig normaler Arbeitsalltag

In der ehemaligen Halle der Firma Klostermann Am Wasserturm hat die Stiftung Haus Hall im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betreten. Mit der Firma „unicoe“ ist dort ein Integrationsbetrieb entstanden, der sich auch als florierendes Wirtschaftsunternehmen einen Namen machen möchte.

Andreas Gernand hat seinen Arbeitsbereich gut im Blick. Er ist einer sieben Arbeitnehmern, die aufgrund einer Behinderung schwer vermittelbar scheinen. Bei Unicoe führt er einen ganz normalen Arbeitsalltag. Foto: as

Coesfeld. Die Weichen dafür stehen gut. Die Stiftung Haus Hall konnte für unicoe sowohl die Maschinen als auch die Kundenliste einer Sauerländer Firma übernehmen. Diese hat sich aus dem Bereich C-Teile-Service, in dem Unicoe aktiv ist, zurückgezogen. 

Dr. Thomas Bröcheler, Direktor der Stiftung Haus Hall, berichtete beim Pressetermin über die Motivation, das Unternehmen in Coesfeld zu gründen. „Der Integrationsbetrieb ist ein Zwischenschritt zwischen der Beschäftigung in der Werkstatt und dem ersten Arbeitsmarkt“. Dies bedeutet, dass es Menschen gibt, die durchaus für den ersten Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen würden, aus körperlich, geistigen oder psychischen Gründen aber nur erschwert vermittelt werden können. Für diese Arbeitnehmer sind Integrationsbetriebe wie die Firma Unicoe optimal, da sie hier eine ganz normalen, tariflich bezahlten Beschäftigungsverhältnis nachgehen ohne die Schonräume eines Werkstattbetriebs. Zwar gebe es arbeitspädagogische Begleitung, erläutert Jürben Dreyer, Leiter der Werkstätten Haus Hall, ansonsten agieren die Mitarbeiter durchaus selbstständig. 

Das betriff auch den Weg zur Arbeit. Die gute Verkehrsanbindung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln war lezttlich einer der ausschlaggebenden Gründe, dass die Stiftung den Firmensitz nach Coesfeld gelegt hat. Die Halle, die von Unicoe angemietet wurde, wurde darüber hinaus von der Firma Klostermann auf die Bedürfnisse zugeschnitten. 

Als Integrationsbetrieb ist die Firma Unicoe verpflichtet, dass mindestens 40 Prozent der Mitarbeiter schwerbehindert sind. Dafür konnte sich das Unternehmen Zuschüsse in Höhe von 580.000 Euro der Aktion Mensch, der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und LWL sichern. Trotzdem, daran lässt Dr. Bröcheler keinen Zweifel, muss Unicoe genauso wirtschaftlich arbeiten wie jedes andere Unternehmen auch. Auch nach außen hin tritt der Träger Haus Hall nur dezent in Erscheinung, das Team aus 17 Mitarbeitern - davon sieben  behindert - will bewusst durch Qualität überzeugen.

Tatsächlich zeigt sich beim Gang durch den vorderen Bereich der 3.600 Quadratmeter großen Halle - der hintere Bereich ist dem Lager vorbehalten - kein Unterschied zwischen den Mitarbeitern. Das Konzept greift, alle Unicoeler verstehen sich als ein Team. Die Serviceleistung ist dabei im Kreisgebiet ebenfalls einzigartig: Als C-Teile-Dienstleister übernimmt Unicoe den kompletten Service in punkte Kleinteile. Schwerpunktmäßig für Möbelhändler, aber auch für die Sanitär- oder Elektroindustrie. Passgenau werden die einzelnen Kleinteile zu Päckchen zusammengepackt und ganz nach Kundenwunsch verschickt.

Der Umsatz liegt derzeit bei 1,5 Millionen Euro. Angepeilt sind zwei Millionen. Dabei immer mit im Blick, den Mitarbeiterstamm zunächst stabil zu halten, später auch durchaus noch auszubauen.