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Was darf Satire?

Der Fall Böhmermann schlägt hohe Wellen.

Nach dessen „Schmähgedicht“ prüft die Bundesregierung den förmlichen Wunsch der Türkei nach Strafverfolgung. Bundesweit diskutiert werden die Fragen: Was darf Satire? Wo sind die Grenzen? Und was ist gute und was ist schlechte Satire? Augustin Upmann von den Bullemännern und Jochen Rüther von Storno geben Antworten.

 

MÜNSTERLAND. Was darf Satire? Kurz und eindeutig ist die Antwort von Augustin Upmann: „Als Satire alles“, bringt es der Kabarettist der Bullemänner auf den Punkt. Jochen Rüther holt etwas weiter aus: „Im Fall des türkischen Präsidenten Erdogan handelt es sich um Beleidigung eines Staatsoberhauptes. Dafür gibt es den alten Paragrafen der Majestätsbeleidigung. Der kann weg.“ Es dürfe nicht um Beleidigung um jeden Preis gehen. Wen Jan Böhmermann beleidigt hat, dürfe allerdings keine Rolle spielen.

„Ob es justiziabel ist, müssen Gerichte klären“, findet Rüther. „Wenn Satire nur um der Beleidigung wegen beleidigt, ist es schlechte Satire.“ Hintergrund ist das Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Böhmermanns Fernsehshow „Neo Magazin Royale“. Erdogan stellte Strafantrag gegen Böhmermann wegen Beleidigung. Es werde unterschiedlich gewertet, erklärt Upmann. Im Falle des französischen Magazins Charlie Hebdo beispielsweise sei man der Meinung gewesen, dass es gerechtfertigt ist, Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. „Die Wahrnehmung, was Recht ist und wo Grenzen überschritten werden, ist nicht objektiv. Sie ist betroffenheitsbegründet.“

Wie sehen es die beiden Kabarettisten, wenn Provokation als künstlerischer Schwerpunkt zelebriert wird? „Mein persönlicher Geschmack ist das nicht“, urteilt Upmann. „Das langweilt mich. Wenn es jemand machen möchte, soll er es tun. Es ist seine Art und Weise der Kunst.“ Auch Rüther pflegt einen anderen Stil: „Wir arbeiten mit dem dialogischen Prinzip. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen, das ist gute Satire.“ Wo sind die Grenzen der Satire? Dürfen bestimmte Themen nicht behandelt werden? „Es gibt ganz klare Grenzen. Andere herabwürdigen, das machen wir nicht“, lautet das eindeutige Statement von Upmann. „Es müssen nicht unbedingt Themen ausgespart werden“, meint Rüther. Die Frage sei, wie man es mache. Es müsse künstlerisch passen. Und da sei der Zugang der einzelnen Künstler sehr unterschiedlich.

Im Fall Böhmermann handle es sich inzwischen um Comedy für die Meta-Ebene. Dabei gehe es nicht unbedingt um die Provokation gegen Erdogan, sondern auch darum, sich auf dem Kabarett-Markt zu positionieren. Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu am 7. April: „Auf seiner Facebook-Seite ist Jan Böhmermann natürlich längst auf der Meta-Ebene der ganzen Geschichte angekommen. In einem vierminütigen Trailer seiner neuen Sendung (...) macht er noch einmal sehr deutlich: Die Empörung der vergangenen Tage und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mainz wegen Böhmermanns Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten lassen seinen Medien- Coup besser aufgehen, als er sich das vermutlich erträumt haben könnte. ‚Rechtsprechung ist wahnsinnig wichtig in Deutschland‘, erklärt Böhmermann in dem Video zum Beispiel, das würde von vielen unterschätzt.“