Das Verbreitungsgebiet

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Nach Fukushima musste alles ganz schnell gehen. Energiewende heißt das Zauberwort, dass auch in der Region einen Windpark nach dem nächsten aus dem Boden sprießen lässt. Oder zumindest die Absicht, einen solchen zu errichten. Gerne als „Bürgerwindpark“, lockt doch neben dem Gedanken des grünen Stroms auch direkt der Profit, den die Einwohner eines Ortes für die eigene Kasse verbuchen dürfen.

Windräder sind gerade in den Baumbergen ein häufiges Bild. Es regt sich Widerstand gegen weitere Parks. Foto: as

Kreis. Nur scheinbar ist es eine Ironie, dass sich just gegen solche Windparks in jüngster Vergangenheit massiv Widerstand manifestiert. Und zwar aus den Reihen derer, die eigentlich am meisten davon profitieren sollten - den Bürgern selbst. Die Gegner indes bringen gute Argumente vor, der Widerstand mehrt sich nicht nur in dern Baumbergen, sondern münsterlandweit. In Nottuln hat sich kürzlich eine Initiative gegen eine Eignungsprüfung der Fläche Stockum-Nord gegründet. In Havixbeck gibt es schon weiter über ein Jahrzehnt eine Initiative, um die es lange still war, die sich aber nun gegen einen Windpark in Natrum zur Wehr setzt.

Die Argumente ähneln sich in Nottuln wie in Havixbeck. Es sind die Baumberge, über die sich immer mindestens 150 Meter hohe Windräder erstrecken sollen. Genau dort, wo Radfahrer ihre Runden drehen, Urlauber die Ruhe genießen und natürlich auch an den Randgebieten sich Menschn niedergelassen haben. Diese Ruhe und vor allem den Erholungswert sehen sowohl die Nottulner als auch die Havixbecker massiv in Gefahr.

Nottuln Bürgermeister Peter Amadeus Schneider mahnt ebenfalls besonnenes Vorgehen an: „Auch die Kommunen müssen einen Teil der Verantwortung der Energiewende übernehmen – dabei darf die Windenergie nicht fehlen. Die Planung allerdings muss geordnet stattfinden: nicht überall, sondern

nur an unter transparenten Kriterien ermittelten Standorten. Ich warne vor zu viel Euphorie: an vielen Stellen werden Artenschutzbestimmungen

Windräder verhindern. Mein Standpunkt: Ich stehe für die Unterstützung der Windenergie. Der letzte Entscheidungsträger ist aber der Gemeinderat.“ 

Aber nicht nur in Nottuln brodelt es. Genügend Erfahrung haben auch die Havixbecker, schon über ein Jahrzehnt gibt es dort die Bürgerinitiative „Gegenwind in Havixbeck“. Dort gibt es jetzt wieder Handlungsbedarf, soll doch in Natrup ein Areal genauer für die Windenergie untersucht werden. Dabei ist es vor allem die Höhe der Windräder, die den rund 20 Familien der Initiative Sorge macht. Neben die Sorge um Schlagschatten und Lärmbelästigung treibt auch die Havixbecker die Angst an, dass das Landschaftsbild durch neue Windräder empfindlich gestört wird. Auch die Aussicht auf einen Bürgerwindpark mache die Situation nicht besser, so die Aktiven.

Dazu kommt noch der Punkt des Naturschutzes. Der NABU stellt in seinen Positionspapieren die Gefahr für die Vogelwelt dar. So bestehe eine Gerfährdung der Arten, deren Flugbahn die Windparks kreuzt. Liegen diese dazu noch in der Nähe bekannter Bruststätten, werde diese Nistplätze künftig von den Vögeln schlimmstenfalls gemieden. Dabei sieht sich der NABU durchaus auf der Seite der Windenergiebefürworter, fordert aber, bei der Auswahl der Standorte besonders sorgfältig und nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorzugehen. Zugkorridore sollten in jedem Fall unangetastet bleiben. Ob es sich bei den anvisierten Windenergieflächen in den Baumbergen um solche Areale handelt, müsste im Zuge der Planungen durch Gutachten geklärt werden.

Sigrund Rittrich, Sprecherein der Bezirksregierung Münster weist darauf hin, dass die Kommunen im Zuge der Regionalplanung geben wurden, ihre Absichten zum Thema Windkraft vorzulegen. Momentan handele es sich doch allesamt um sehr frühe Planungsstadien, die zudem der kommunalen Vorplanung bedürften.

Info:

Warum Strom teurer wird

Eine aktuelle Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace belegt, dass der Strompreis 2014 massiv steigen wird. Die Umlage zur Förderung von Windrädern, Solarparks und Biogasanlagen soll von 5,277 Cent je Kilowattstunde auf 6,1 Cent steigen (2010 waren es noch 2,05 Cent). Bestätigt wird dieser Anstieg vom Bundesumweltministerium. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden könnte somit 2014 schlimmstenfalls über 215 zahlen. Grund dafür ist das Ungleichgewicht zwischen dem aktuell sehr geringen Preis für Wind- und Solarstrom an der Strombörse und dem zuvor festgelegten Vergütungssatz. Die Krux: Die so extrem verbilligten Stromeinkaufspreise werden nicht von den Versorgern an den Verbraucher weitergegeben, hinzu kommen Rabatte für die Industrie, die letztlich wieder gestiegene Kosten für den einzelnen Bürger zur Folge haben.

Info:

Was sagt der Naturschutz?

Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW: "Bislang war der Regierungsbezirks Münster Vorreiter in Sachen Windenergie. Regierungsbezirksweit waren Vorrangzonen ausgewiesen. Nur hier konnten Windparks errichtet werden. In Zukunft werden auch im Münsterland die Kommunen selber solche Vorrangzonen planen können. Leider, denn die Bezirksregierung hat bislang auch fachlich gut gearbeitet. Bei der Ausweisung von Vorrangzonen spielen nach den Betroffenheiten der Menschen (Abstand zur Wohnbebauung) die Belangen des Natur- und Artenschutzes eine große Rolle. Schutzgebiete bis auf Landschaftsschutzgebiete sind nach dem Windenergieerlass des Landes Tabuzonen. Außerdem müssen in der Regel Abstände zu diesen Gebieten eingehalten werden. Auch bestimmte Vogelarten wie der Uhu oder der Wanderfalke bewirken Tabuzonen um ihre Brutplätze. Es müssen aber auch durch eine gute Fachuntersuchung die Belange der Fledermäuse oder die Frage von Zugkorridoren geklärt werden. Hierzu gibt es keine landesweit verfügbaren Daten. Fehler in der Planung können zum Scheitern der Planung führen und das dann auch zu recht. Es gilt die aus Sicht des Natur- und Artenschutzes best geeigneten Standorte mit den geringsten Gefährdungen herauszufinden. Auch mit diesen Standorten und einen Repowering der Anlagen auf alten Standorten wird NRW die Ziele beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und dabei als Hauptsäule der Windenergie erreichen können."