Das Verbreitungsgebiet

Kleine Mücke, große Sorgen?

Alle Jahre wieder gibt es Meldungen über neue, ansteckende Viren. Ob Vogelgrippe, Schweinepest oder Noro- Virus, schnell schwappt eine vage Angst in Panik um. Momentan beherrscht das Zika- Virus die Berichterstattung, erste Fälle sind in Deutschland aufgetreten. StadtAnzeiger- Redakteurin Alexandra Schlüter hat Dr. Heinrich Völker- Feldmann vom Kreisgesundheitsamt befragt.

Gibt es Grund zur Sorge, dass das Zika-Virus sich auch hier ausbreiten könnte?

Dr. Völker-Feldmann: Das Zika- Virus wird von bestimmten Mücken übertragen. Der Übertragung von Menschzu- Mensch wird vom Robert- Koch-Institut bisher keine Bedeutung beigemessen. In Deutschland wird bislang kein Risiko für eine Ansteckung gesehen. Denn die übertragende Gelbfiebermücke kommt hier nicht vor. Auch eine andere Mückenart, von der noch nicht bekannt ist, ob sie das Zika- Virus überträgt – die asiatische Tigermücke – kommt nur sehr punktuell in Süddeutschland vor. Eine Mücke müsste sich auch erst einmal selbst an einem Zika- Patienten infizieren, bevor sie das Zikavirus weiterverbreiten könnte.

Was sind Symptome beziehungsweise wie gefährlich ist das Virus?

Dr. Völker-Feldmann: Am häufigsten sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Die Symptome treten in einem Zeitraum von drei bis zwölf Tagen (meist drei bis sieben Tage) nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an. Eine Behandlung im Krankenhaus ist meist nicht erforderlich. Ein großer Anteil der Infektionen verläuft vermutlich asymptomatisch, das heißt, die Betroffenen haben keinerlei Symptome. Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Zikavirusinfektion in der Schwangerschaft und Hirnfehlbildungen beim ungeborenen Kind wird derzeit untersucht.

Wer ist besonders anfällig bzw. sollte sich besonders schützen?

Dr. Völker-Feldmann: Es gibt Hinweise, dass eine Infektion mit dem Zikavirus in der Schwangerschaft zu Fehlbildungen des Gehirns beim ungeborenen Kind führen kann. Die bei Zikavirus- Infektionen beschriebenen einzelnen Todesfälle traten offenbar bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen auf.

Was muss man bei Reisen in stärker betroffene Länder beachten?

Dr. Völker-Feldmann: Reisende in tropische Länder sollten über den aktuellen Stand der Zikavirus-Infektionen in der jeweiligen Region unterrichtet sein. Sie sollten sich in geschlossenen Räumen und im Freien gegen Stechmücken schützen, zum Beispiel durch Insektenschutzmittel und lange Kleidung. In nicht-klimatisierten Zimmern sollten Fenster- und Bettnetze genutzt werden. Nach Möglichkeit sollten Schwangere Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen vermeiden. Auf jeden Fall ist auf einen konsequenten Mückenschutz (Expositionsprophylaxe) zu achten. Spezielle Hinweise für Reisende nach Brasilien sind auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes abrufbar. Spezielle Hinweise für Schwangere, die in tropische Gebiete reisen wollen, hat die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) veröffentlicht.