Das Verbreitungsgebiet

Raus aus dem Schneckenhaus

Angst, Scheu, Zweifel - bei vielen Menschen spiegelt sich der jeweilige Charakter auch in einer Situation wider, in der Engagement gefragt ist: Erste Hilfe. Jedoch vergessen die meisten, dass man sich mit unterlassener Hilfestellung strafbar macht und es zudem immer besser ist, etwas zu machen, anstatt gar nichts zu unternehmen.

Anpacken und helfen: Christel Kerkeling führt an Übungspuppe Anne die Herzdruckmassage (30 mal drücken, zwei mal beatmen) vor. Foto: bit

Kreis. Um genau diese Ängste abzubauen, veranstaltet das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Kreisverband Coesfeld, häufig Erste-Hilfe-Kurse für die verschiedensten Zielgruppen. „Jeder kann zum Hörer greifen und zumindest die 112 wählen“, betont Christel Kerkeling, Erste-Hilfe-Beauftragte beim DRK. Viele würden meinen, gar nicht zuständig zu sein, verdrängen jedoch oder wissen nicht, dass man nach Paragraph 323c Strafgesetzbuch dazu gesetzlich verpflichtet ist, wenn es erforderlich und den Umständen entsprechend zuzumuten ist. Andernfalls droht eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. „Von jährlich acht Millionen Unfällen passieren nur zehn Prozent im Straßenverkehr“, so Kerkeling. Der absolute Großteil ereignet sich also in alltäglichen Situationen: Haushalt, Sport, Freizeit und so weiter. Das Vorurteil, dass man Erste Hilfe immer mit Verkehrsunfällen und viel Blut verbindet, trifft nicht zu. 

In Erste Hilfe steckt das Wort helfen, und das kann in ganz alltäglichen Situationen sein. Noch bevor ein Unfall passiert. Christel Kerkeling fällt ein Beispiel aus ihrem Privatleben ein: Ein Mann kam in eine Bäckerei, es war heiß, und er war kleidungstechnisch bis oben hin zugeknöpft. „Er sackte vor meinen Augen zusammen, die Verkäuferinnen standen mir hilflos gegenüber. Er drohte, bewusstlos zu werden“, erinnert sie sich. Doch sie sprach die Mitarbeiterinnen konkret nach Hilfe an, ließ etwas zu trinken besorgen und brachte den Mann schließlich wieder auf die Beine. „Gerade ältere Menschen trinken zu wenig“, stellt Christel Kerkeling fest und bittet darum, dies gerade beim derzeitigen Sommerhoch niemals zu vergessen.  Gerade in den ersten Minuten sei Erste Hilfe sehr wichtig. Auch wenn es leichter gesagt als getan ist: Ruhe bewahren und sich einen Überblick verschaffen, ist die beste Vorgehensweise.

Dann sollte man laut um Hilfe rufen und Leute direkt um Mithilfe bitten. Fast jeder hilft nämlich gerne mit, es muss nur jemand zuvor die Initiative ergreifen. „Ein gewisser Selbstschutz ist wichtig“, betont Christel Kerkeling. Hat ein Ersthelfer also das Gefühl, sich selbst ernsthaft in Gefahr zu bringen, kann man besser „nur“ den Notruf verständigen. Die Unfallmeldung muss die fünf berühmten W-Fragen beantworten: Wo ist der Notfall? Was ist geschehen? Wie viele Verletzte/Betroffene sind zu versorgen? Welche Art von Verletzungen oder Krankheitszeichen haben die Betroffenen? Warten auf mögliche Rückfragen der Leitungsstelle.

„Man sollte nicht achtlos durch's Leben rennen“, hält Christel Kerkeling als generellen Tipp bereit. Zeigt ein Mitmensch eine hitzebedingte Reaktion wie Schwindel oder Unwohlsein, kann mit einem nassen Handtuch ausgeholfen werden, das an Nacken, Kopf oder Stirn platziert wird.

Für alle, die derzeit im wohlverdienten Urlaub sind: Auch im Ausland gilt die allseits bekannte 112 als Rufnummer. Niemand sollte seine Hilfe vom Aussehen des Opfers abhängig machen. In einem Versuch wurde einmal herausgefunden, dass einem Geschäftsmann mit Anzug wesentlich schneller geholfen wird als Menschen, die beispielweise wie ein Obdachloser aussehen (siehe Video „Bystander Effect“ bei YouTube). „Es gibt nichts Schlimmeres, als alleine gelassen zu werden“, verdeutlicht Christel Kerkeling. Deshalb kann sich jeder beim DRK über Erste Hilfe informieren. Es gibt die Homepage www.kv-coesfeld.drk.de oder auch eine Erste Hilfe App für das Handy.