Das Verbreitungsgebiet

Die Ruhe vor (oder nach?) dem Sturm

Das Thema verschwindet nicht, aber es wird leiser um die Flüchtlinge in den Kommunen. Was auf den ersten Blick beruhigt, könnte aber

auch nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm

sein.

KREIS COESFELD. Durchatmen - das können momentan die Kommunen im Kreis. Der Strom der Asylbewerber und damit die Zuweisungen durch die Bezirksregierung Arnsberg sind deutlich minimiert, aber niemand weiß, wie lange diese Ruhe anhält. Ein Zustand, der für die Bürgermeister der Region zwar erstmal erleichternd, aber nicht dauerhaft befriedigend ist.

„In Coesfeld wirdmomentan noch die zurückgestellte Flüchtlingszuweisung durch die bisher angerechneten Plätze in den Notunterkünften ausgeglichen. Daher erreichen uns weiterhin zehn bis 20 Flüchtlinge pro Woche. Ob und in welchem Umfang sich anschließend eine Entspannung ergibt ist momentan noch völligunklar. Das Innenministerium selbst geht von ähnlichen Zahlen wie in 2015 aus, darauf müssen wir uns zunächst einstellen und entsprechend vorbereiten“, erläutert Bernd Kasischke, Fachbereichsleiter Soziales und Wohnen der Stadt Coesfeld.

Alle Gemeinden stellen sich aktuell darauf ein, Flüchtlinge längerfristig unterzubringen statt nur kurzfristige Lösungen zu bieten. „Wir arbeiten in Nottuln an einem dreistufigenModell. Derzeit haben wir noch die Hauptschule als Puffer, dazu kommt die Grundschule in Schapdetten. Unser Grundsatz ist, wenn wir bauen, gleich richtig zu bauen“, betont Nottulns Bürgermeisterin Manuela Mahnke. Aber auch sie räumt Unsicherheit ein: „es kann einfach keiner einschätzen, wie es weitergeht“. In Rosendahl leben augenblicklich 235 Flüchtlinge. „Wir haben seit Ende 2015 keine neuen Zuweisungen mehr erhalten“, so Bürgermeister Christoph Gottheil. Der Zeitraum sei genutzt worden, um die Unterbringung in den gemeindlichen oder angemieteten Wohnungen zu optimieren. Dafür wurde auch Personal aufgestockt. Die Unterbringung in Wohnsiedlungen ist dabei ein zentrales Element der Rosendahler Flüchtlingspolitik. Dabei gibt es aktuell durchaus noch Mietreserven, die Stadt beobachte laut Christoph Gottheil aber auch den Wohnungsmarkt und denke über den Bau eigener Objekte bei Bedarf nach. „Maßvolle weitere Zuweisungen bis 50 Personen können noch recht gut gelöst werden, danach besteht Handlungsbedarf“, so Gottheil.

Auch Marion Dirks sieht für Billerbeck erstmal keine Engpässe:„ Wir freuenuns, derzeit durchatmen zu können, sind aber auf weitere Zuweisungen gut vorbereitet. Auf den Weg gebracht haben wir den Kauf und den Bau von Wohnraum, der von Flüchtlingen genutzt werden kann, den wir aber auch als Sozialwohnungen zur Verfügung stellenkönnen. Auch personell haben wir nicht zurückgefahren, sondern widmen uns nun Aufgaben, die in den Sommer- und Herbstmonaten des Jahres 2015 zu kurz kamen. Unser Netzwerk für Flüchtlingsarbeit in Billerbeck arbeitet unbeirrt weiter.“ Gravierendere Änderungen stehen inDülmen an. Hierwill die Bezirksregierung zunächst auf den Gelände der ehemaligen Barbara-Kaserne, später in den mittlerweile verwaisten Tower-Barracks eine zentrale Unterbringungsstelle einrichten.

Bereits frühzeitig hat die Stadt mit der Einrichtung von Containern am Leuster Weg sowie am Gausepatt Raum geschaffen. Auch im Nachbarkreis Borken arbeitet man mit Hochdruck an zukunftsfähigen Lösungen. So ist es für Thomas Kerkhoff, Bürgermeister aus Gescher, durchaus sinnvoll, Container direkt zu kaufen statt zu mieten. „Die Unterbringung in einer Turnhalle ist auf Dauer immer problematisch, daher wollen wir diese schnellstens leeren. Am 28. April (Donnerstag) findet eine Begehung der Container mit den Anwohnern statt, um auch für die Bürger möglichst transparent vorzugehen. „Die Turnhalle bleibt uns dann mit 50Plätzen als Puffer erhalten“, sagt Kerkhoff.

Festlegen wollen sich natürlich auch die Bezirksregierung Arnsberg und das Land NRW nicht, wie die Zuweisungen in 2016 aussehen werden. Laut aktueller Presseinfo des Landes NRW dürften sich die Zahlen aber im Rahmen „mehrer Hundertausend Flüchtlinge“ bewegen. 320 000 Asylsuchende sind 2015 nach NRW gekommen, 300 000 von ihnen sind auf die einzelnen Kommunen verteilt worden. Aktuell, so heißt es, kämen rund 1500 Asylsuchende pro Woche in NRW an. Spätestens ab Mai, so die Behörden, könnten diese Zahlen aber wieder steigen. Um dem neuen Ansturm zu begegnen, hält das Land insgesamt 70 000 Plätze in 23 zentralen Unterbringungseinrichtungen sowie 220 Notunterkünften vor. Ab Sommer wird zudem eine weitere zentrale Aufnahmestelle in Bochum eingerichtet, in der wöchentlich bis zu 7000 Menschen registriert werden können. „Wir müssen Schritt für Schritt vorgehen“, betont Christoph Söbbeler vonBezirksregierung Arnsberg. Werden aktuell nur Zuweisungen in einzelne wenige Kommunen vorgenommen, könnten die Zahlen künftig wieder sukzessive steigen. Wann und wie hoch, darauf mag Söbbeler sich nicht festlegen.