Das Verbreitungsgebiet

KOMMENTAR - Nicht sehr plakativ

Seit ein paar Wochen kann man kaum 50 Meter fahren, ohne ein Wahlplakat zu erblicken. Dabei überraschen uns einige Abgeordnete und Parteien mit interessanten Aussagen.

Das Bundestagsmitglied Karl Schiewerling zum Beispiel wünscht schlicht und einfach „Schöne Ferien für Sie“. Danke! Jedoch muss man sich in so einem Fall fragen, ob ein Politiker nicht eher eine Aussage treffen sollte, die zumindest einen geringen politischen Inhalt hat. Schließlich möchte der Politiker oder die Partei in gut einem Monat gewählt werden. Die meisten Menschen, die einen Schwerpunkt auf Themen und Inhalte legen, werden dann jedenfalls nicht sagen: „Ach der Herr Schiewerling, der hat uns so nett schöne Ferien gewünscht vor zwei Monaten, das ist unser Mann.“ Mit welchen Plakaten dürfen wir dann bis zum Ende der Plakatwelle noch rechnen? „Schön, dass es Sie gibt“ oder „Ich find euch alle toll“? 

Natürlich ist es schwierig, aussagekräftige Inhalte in ein paar Worte zu packen. Jedoch stelle ich mir es so vor, dass dort echte Marketingexperten zusammensitzen und sich fragen, wie sie den Wähler auf ihre Seite ziehen können. Ganz abgesehen von den immensen Druckkosten, die in solche Plakate gesteckt werden müssen. Und dann kommt so etwas dabei raus? Die SPD zieht in diesen Tagen gerne Frau Merkel durch den Kakao. Da werden zum Beispiel Bilder gezeigt, auf denen sie etwas in ihrer Handtasche sucht oder mit geschlossenen Augen im Bundestag sitzt.

Natürlich kann man einen solchen „Anti-Wahlkampf“ führen und das angebliche Versagen Anderer in den Mittelpunkt stellen. Die meisten Bürger möchten jedoch lieber eigene Inhalte lesen. Schließlich ist ja ein solches Motiv noch keine Sicherheit dafür, dass man es selbst besser macht. Pfiffige Wahlplakate mit Aussagekraft werden von vielen noch unentschlossenen Wählern mit Sicherheit honoriert. Deshalb: Auf der nächsten „Wie gestalten wir unser Wahlplakat?“ Expertenkonferenz einfach ein bisschen länger zusammensitzen.