Das Verbreitungsgebiet

Einzigartiges Projekt

In einem Teil des denkmalgeschützten Barackenlagers Lette soll eine Gedenk- und Erinnerungsstätte mit Lernort eingerichtet werden. Dies plant ein Initiativkreis aus der Grafschaft Glatz (Schlesien) in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Verkehrsverein Lette. Die Möglichkeiten zur Verwirklichung wurden am Montagabend im Kreishaus diskutiert.

Lette. 1946 befand sich im dortigen Lager, gut drei Kilometer außerhalb von Lette, das zentrale Durchgangslager für die im Kreis Coesfeld eintreffenden Verbliebenen. 1946 bis 1960 war dort zudem das kreiseigene Altenpflegeheim für Vertriebene ansässig. „Die Grundstücksverhandlungen sind auf gutem Wege“, sagte Harald Dierig, der den Initiativkreis Glatzer Gremien vorstellte. Nun soll ein Trägerverein gefunden werden, der das Projekt finanziell unterstützt. „Es ist das einzige Lager in ganz Norddeutschland,  wahrscheinlich sogar im ganzen deutschsprachigen Raum, das aus 1933 stammt“, stellte Werner Jostmeier (CDU) in seiner Moderation den Stellenwert heraus. Ohne die Flüchtlinge und Vertriebenen sei zudem das deutsche Wirtschaftswunder in den 50er und 60er Jahren überhaupt nicht möglich gewesen. 

Denkmalpfleger Dr. Ulrich Reinke stellte die Bedeutung des Barackenlagers für die ostdeutschen Heimatvertriebenen heraus. „Wir haben hier ein Lager, das Europaformat hat. Coesfeld ist eine Stadt, die viel mehr von diesem Format hat, als eine Mittelstadt haben dürfte“, sagte er und sagte damit für Lacher bei den anwesenden Gästen. Im Folgenden referierte die Historikerin Ingeborg Höting über die Geschichte des Barackenlagers. „Die Geschichte des 20. Jahrhunderts lässt sich dort ablesen“, stellte sie fest. Dort entstand eine SA-Sportschule, allerdings zum Einstudieren kriegsvorbereitender Übungen. Die Unterbringung war sehr einfach, ab 1946 wurden zum Ausschenken des Essens Eimer benutzt. Bis Juli 1946 seien dort 8.000 Vertriebene im Kreis Coesfeld und 5.000 Evakuierte stationiert gewesen.

„So etwas muss aufbereitet werden, auch für junge Menschen“, betonte Wolfgang Kraska von der FDP und erntete Applaus für seine Meinung. Auch Bürgermeister Heinz Öhmann sprach sich für die Idee der Gedenkstätte aus, betonte allerdings, dass die Stadt nicht in eine Trägerfunktion hineingehen könne. „Wegen der Einzigartigkeit müssen wir gemeinsam erreichen, dass Mittel des Landes eingeworben werden“, schlug er vor. Auch Grünen-Politiker Norbert Vogelpohl befürwortete den Plan, betonte aber, dass dort die gesamte Geschichte abgebildet werden müsse. „Die Idee wird Geld finden“, sagte er. Da die Gebäude sanierungsbedürftig sind, sollen unter anderem Institutionen und Unternehmen zur Unterstützung gefunden werden. Für die Gründung eines Trägervereins wurde eine Liste rumgegeben. „Innerhalb des nächsten Vierteljahres soll zu einer Gründungsversammlung eingeladen werden“, blickte Harald Dierig auf die Pläne der kommenden Monate.