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Kaum Resonanz

Ein schwerer Schritt für die evangelische Kirchengemeinde Coesfeld: Bis zum Herbst wird die Maria-Magdalenen-Kirche in Lette entwidmet. Besonders die sehr geringe Besucherzahl und der starke Sanierungsbedarf führten zu dieser Entscheidung.

Gottesdienst war einmal: Die Maria-Magdalenen-Kirche in Lette steht vor der Entwidmung. Foto: bit

Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr findet eine Gemeindeversammlung (nicht öffentlich) in der Kirche statt. Dort wird das Presbyterium seinen Beschluss erläutern. „Dieser Schritt fällt uns äußerst schwer“, sagt Rosemarie Niemeyer, Vorsitzende des Presbyteriums. Pfarrer Lothar Sander stellt fest, dass es diese Entwicklung nicht nur in der Letteraner Gemeinde gebe. „Am Ende waren es vier bis sechs Besucher“, beschreibt er die ernüchternde Entwicklung in den Gottesdiensten. 

Die Schließung hänge allerdings nicht mit der ebenfalls sanierungsbedürftigen evangelischen Kirche in Coesfeld zusammen. „Lette ist nicht das Bauernopfer, damit Coesfeld besteht“, betont Lothar Sander, dass kein Kontext besteht. 

In Gesprächen mit den Menschen, die die Kirche 1961 aufgebaut haben, fiel die Frage „War das jetzt alles umsonst?“. Nein, das sei es nicht gewesen, betont der Pfarrer, der die Gottesdienste „leidenschaftlich gerne“ zusammen mit Birgit Henke-Ostermann abhielt. „Über 50 Jahre wurde es gehegt und gepflegt. So wie alles seine Zeit hat, muss man sagen: Es war eine gute Zeit.“ 

Die Kirche wurde einst von evangelischen Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut.  Deshalb habe die kleine Kirche, kaum höher als die Wohnhäuser drumherum, lange Zeit Aufbruch und Wachstum symbolisiert. „Für viele Menschen wiederholt sich womöglich Geschichte, wenn ich an die Entwidlmungen unserer Predigtstätten in Holtwick oder Osterwick denke“, sagt Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann. In Lette hätten aber auch neue Gottesdienstformen oder Werbeaktionen diese Entwicklung nicht aufhalten können. Für Gottesdienste, Taufen oder Heiraten zögen Gemeindemitglieder aus Lette heute auch oft die Evangelische Kirche am Markt in Coesfeld vor. 

Was aus dem Grundstück wird, steht offen. Das gut 3.000 Quadratmeter große Gelände läuft über Erbpacht. Wenn die gottesdienstliche Nutzung entzogen werden soll, bedarf es eines Beschlusses des Presbyteriums sowie der kirchenaufsichtlichen Genehmigung durch die Evangelische Kirche von Westfalen. Ohne, dass die Gemeinde informiert wird, kann es keine kirchenaufsichtliche Genehmigung geben.