Das Verbreitungsgebiet

Von Gleis zu Gleis

Was passiert, wenn vom einst luxuriösen Leben nur noch die Bahncard 100 übrig ist? Im neuen Roman „Night Train“ der Letteraner Autorin Anne Kuhl- meyer ist genau das die Ausgangslage, die die Protagonisten André und Nicola auf eine Flucht quer durch Deutschlands Bahnhöfe führt.

 

Anne Kuhlmeyer hat gut Lachen. Ihr mittlerweile vierter Roman „Night Train“ steht druckfrisch in den Buchhandlungen. Foto: as

Lette. André hat alles verloren, bis auf eben jene Bahncard. Nicola lebt im Zeugenschutzprogramm. Als beide mit einem Mord konfrontiert werden, machen sie sich gemeinsam auf die Flucht - verfolgt von dubiosen Gestalten und der eigenen Vergangenheit.

Es war in Leipzig, dort traf Anne Kuhlmeyer einen jungen Mann, der mit der Bahncard 100 durch das Land reiste. Auch in seinem Leben hatte es - wie bei André - einen Bruch gegeben. Die Idee für ihren mittlerweile vierten Roman war geboren. Ein gutes Dreivierteljahr verging, bevor das Werk nun im KBV Verlag veröffentlicht wurde. 

„Etwas Schönes sehen“, das ist es, was André antreibt. Das Thema Gewalt hingegen ist es, das Anne Kuhlmeyer in ihren Büchern aufgreifen möchte: „Über Gewalt zu schreiben, das finde ich bedeutsam“. Dazu, so die Autorin, die im Hauptberuf als Psychotherapeutin arbeitet, eigne sich das Thriller-Genre am besten. „Ich habe die Geschichte in einen Zug verlegt, da hier die Gesellschaft quer durch alle Schichten vertreten ist“, erläutert sie die Wahl der Kulisse. Dabei streift sie viele Aspekte, vom Menschenhandel bis hin zum Spiegel totalitärer Systeme. 

Vor allem die Recherche der einzelnen Fahrpläne habe Zeit in Anspruch genommen, schließlich musste die Odyssey der beiden Hauptfiguren stimmig sein. Beide Hauptfiguren, so Anne Kuhlmeyer, hätten Facetten ihrer eigenen Persönlichkeit zu bieten. Diese Figurenentwicklung ist für Anne Kuhlmeyer eine der spannendsten Phasen im schriftstellerischen Prozess, der im Nebenberuf nicht immer einfach zu händeln ist. „Ich arbeite sehr diszipliniert, nehme mir nach Feierabend zwei Stunden, um an dem Buch zu arbeiten“, so Kuhlmeyer. Sie schreibt, feilt aus oder entwickelt die Handlung. Fällt das Schreiben mal schwer, gibt es immer noch andere Dinge zu tun. 

Nach „Es gibt keine Toten“ ist „Night Train“ der zweite Titel von Kerstin Kuhlmeyer, der im KBV Verlag erschienen ist. Der nächste Roman ist bereits in Arbeit, das Manuskript befindet sich auf Seite 130. Zum Inhalt mag Anne Kuhlmeyer nur so viel verraten: „Mich beschäftigt momentan sehr die Frage, was das gute Leben ist“. Eine Antwort darauf dürften ihre Leser dann in ihrem fünften Roman erhoffen.