Das Verbreitungsgebiet

Neue Wege finden

Ein Jahr Pandemie liegt hinter den Dülmener Vereinen. Eine gute Zeit, zurück und nach vorn zu schauen. StadtAnzeiger-Redakteurin Alexandra Schlüter hat zum Auftakt mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Erik Potthoff, über die vergangene Monate gesprochen.

Die Mitglieder mit der gestalteten Tür.

Herr Potthoff, auf welche Veranstaltungen musste der Heimatverein in dieser Zeit verzichten? Für das Veranstaltungsjahr 2021 fiel es uns schwer unseren Mitgliedern konkrete Termindaten mitzuteilen. Viele unserer Veranstaltungen waren bereits detailliert vorbereitet und warten lediglich auf die Durchführung. Neben einer Studienfahrt, unseren Pättkestouren, den Tagesausflügen mit Vermittlung geschichtlicher Hintergründe, unsere Mitgliederversammlung standen für 2020 besondere Veranstaltungen an, die alle ausfallen mussten. Haben Sie in konkretes Beispiel? Um die noch umfangreich vorhandenen Spuren des ehemaligen jüdischen Landlebens als Forschungsergebnis zu präsentieren, entschied sich die Expedition Münsterland der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster für ein ungewöhnliches Ausstellungsprojekt. Die Präsentation ehemals lebendigen jüdischen Lebens im Münsterland soll mit Hilfe gestalteter alter Türen erfolgen und gleichsam symbolisch den Zugang zur Vergangenheit vermitteln. Eine dieser Türen wurde durch das gemeinsame intergenerative Buchprojekt zusammen mit der Geschichts-AG der Hermann-Leeser-Schule gestaltet. Leider musste pandemiebedingt die Beteiligung der Schüler ausfallen. Die Ausstellung wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Ebenso musste eine Veranstaltung zur Heimatvereinsarbeit in der Migrationsgesellschaft, die in Dülmen geplant war ebenso ausfallen wie die Erinnerungswoche an die Kriegszerstörung Dülmens und dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren. Für den Eröffnungstag es Intergenerativen Zentrums einsA hatte der Heimatverein Dülmen in Kooperation mit dem Clemens-Brentano-Gymnasium (CBG) und den Kulturschaffenden in Dülmen e.V. (KiD) ein Beteiligungsformat für alle Generationen geplant. Ein Filmabend und die Beteiligung an der ausgefallenen Kulturnacht in Dülmen fanden ebenfalls nicht statt. Gab es eventuell Ideen, wie man das Ausgefallene kompensieren kann? An die Zerstörung Dülmens und den Wiederaufbau möchte der Heimatverein Dülmen künftig über andere auch multimediale Zugänge „Zeitzeichen“ setzen. Über konkret im Stadtarchiv vorhandene Archivalien sollen Ausschnitte der Lokalgeschichte unserer Stadt erzählt und in den Gesamtkontext integriert werden. Diese Beiträge werden dann in den sozialen Medien bereit gestellt. Wir arbeiten daran. Wie haben die Mitglieder Kontakt gehalten und wie lief die Vorstandsarbeit? Der Kontakt der Mitglieder untereinander fand auch vor der Pandemie bereits nur über die Formate der Veranstaltungen und der Fachgruppenarbeit oder der Gesprächskreise statt. Die Vorstandsarbeit im ersten Lockdown war sehr schwierig. Zunächst mussten die technischen Voraussetzungen bei allen Vorstandsmitgliedern geschaffen werden, erste Telefon- und später Videobesprechungen durchführen zu können. Einen Austausch in Präsenz im Vorstand gab es im Sommer, als wir die neueste Ausgabe der Dülmener Heimatblätter für den Versand vorbereiteten. Gibt es Planungen für das laufende Jahr? Bei den Planungen für das Vereinsjahr 2021 war es uns von Anfang an wichtig Termine für Fahrradtouren, Studienreisen, Busexkursionen und Gesprächskreise bzw. einen Film- oder Erzählabend festzuhalten. Die Planungen sind teilweise abgeschlossen und liegen „einsatzbereit“ in der berühmten Schublade. Eine Aktivierung jeder geplanten Veranstaltung kann jederzeit erfolgen. Sobald es möglich sein wird, wird es erste Angebote (vermutlich Pättkestouren) geben. Auch unsere diesjährige Mitgliederversammlung am 20. Mai 2021 soll in Form einer „Hybridveranstaltung“, soweit wir uns nicht im einsA treffen können durchgeführt werden. Mit den Kulturschaffenden in Dülmen wird auch über das Nachholen der ausgefallenen Dülmener Kulturnacht gesprochen und wie wir uns als Heimatverein mit einem Angebot dort einbringen können. Unsere Dülmener Heimatblätter werden wieder halbjährlich erscheinen. Wie schwierig ist es, die Vereinsarbeit am Leben zu halten? Die Heimatvereinsarbeit in Dülmen ist vorrangig eine Vermittlung von Kulturangeboten mit speziellem (heimat-)geschichtlichem Bezug. Diese Angebote sprechen in erster Linie Menschen mit mehr Lebenserfahrung an. Aber genau dieser Personengruppe nimmt vor dem Hintergrund der möglichen Infektionsgefahren solche Angebote nicht wahr. Zusätzlich bedarf es gewisser Rahmenbedingungen, denn Kulturvermittlung geht besser, wenn gleichzeitig auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Dazu muss die Gastronomie allerdings geöffnet sein. Über unsere „zarten“ ersten Versuche in der Landschaft der neuen digitalen Medien erreichen wir unsere Mitglieder nur bedingt, machen aber auf unseren Verein aufmerksam. Seit ein paar Jahren arbeitet der Heimatverein in der Vereinigung der Kulturschaffenden in Dülmen (kiD) mit. Zurzeit arbeiten wir daran unseren Internetauftritt zu erneuern. Wenn persönlich mehr Zeit für das Ehrenamt zur Verfügung stünde, könnte ich mir auch einen regelmäßigen Podcast in Form eines lokalen „Zeitzeichens“ vorstellen, in dem Hintergründe lokaler Geschichtsereignisse dargestellt und besprochen werden. Wie geht der Heimatverein mit der Aufgabe um, Chronist der Zeit zu sein? Bereits nach sehr kurzer Zeit haben die Redaktionsmitglieder der Dülmener Heimatblätter das Gefühl dafür entwickelt, gerade Geschichte mitzuerleben. Daraufhin haben wir begonnen, alltägliche Zeugnisse dieser Pandemie zu sammeln. Objekte wie Beschilderungen zum Maske tragen und Abstand halten oder Nachweisezettel für die einfache oder besondere Rückverfolgbarkeit. In Besprechungsprotokollen, Sitzungsniederschriften, Zeitungen und anderen Archivalien wird sich die Pandemie im lokalen Kontext von Dülmen gut nachzeichnen lassen.