Das Verbreitungsgebiet

Altar rückt in die Mitte

Ende April hatten die Gemeindemitglieder in der

St. Lamberti-Kirche in Coesfeld ihren vorerst

letzten Gottesdienst gefeiert, seitdem haben

dort die Handwerker das Sagen.

Sichtbares Zeichen ist ein Baustellenzaun auf der Seite des Marktplatzes vor dem Eingangsbereich, im Innern der Kirche tut sich etwas. Gemeinsam mit Mitgliedern der Steuerungsgruppe der Kirchengemeinde werfen wir einen Blick herein. Kirchenbänke sind zur Seite geschoben, teilweise mit Staub bedeckt. Spezielle Gummimatten liegen aus und schützen den Boden. Die Kanzel ist komplett mit einer dicken Schutzfolie abgedeckt und zusätzlich eingehaust. Die Beichtstühle stehen inzwischen abgerückt von der Wand. Und mittendrin im Kirchenschiff steht ein Radlader. „Wir müssen noch einiges ausräumen, bevor wir so richtig loslegen können“, sagt Küsterin Claudia Lobbe und Mitglied der Steuerungsgruppe. Sie schaut jeden Tag nach dem Rechten, schließt den Handwerkern auf. Das Coesfelder Kreuz, der wertvollste Kunstgegenstand, steht schon sicher in der Jakobi Kirche. Vieles werde auch auf das Pfarrhaus oder Pfarrheim verteilt. Für die Kirchenbänke haben Gemeindemitglieder Lagermöglichkeiten angeboten. Die St. Lamberti-Kirche soll nicht nur einen neuen Innenanstrich bekommen, sondern eine zeitgemäße Raumgestaltung erhalten. Der Altar rückt mehr in die Mitte, das Coesfelder Kreuz soll besser zur Geltung kommen und barrierefrei erreicht werden. Die Barrierefreiheit ist übrigens ein großes Thema bei der Umgestaltung – neben Licht und Akustik. „Die Handwerker tragen jetzt die Sohle bis zur Nullebene ab“, erklärt Felix Schürhoff von der Steuerungsgruppe. Dann untersuchen Archäologen den Bereich nach möglichen Bodendenkmälern. „Wahrscheinlich wird da nichts sein“, ergänzt ihn Hartwig Heuermann. Allerdings dauert das Ganze etwas. Unangetastet bleibt dagegen entgegen den ersten Planungen der Fußboden der Apsis, der halbrunde Abschluss hinter dem Altarraum. Denn dort könnten zum Beispiel Reste von Vorgängerbauten liegen, deswegen werde der Boden nicht abgesenkt, so Dorothee Backes. Das haben auch die Denkmal Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe empfohlen. Außerdem würde das nur Zeit und Geld kosten. Nicht alles, was sich in der Kirche befand, kommt nach der Sanierung wieder hinein. „Wir renovieren keine Museum, sondern eine Kirche“, bringt es Hartwig Heuermann auf den Punkt. So werden nur noch zwei der insgesamt vier Beichtstühle wieder aufgebaut. Auch wollen die Gemeindemitglieder einige Kunstgegenstände eingelagert lassen und nicht wieder auspacken. Ähnlich sieht es mit den Kirchenbänken aus. Zwei Drittel der Bänke kommen nur wieder herein. Ostern 2022 könnten in der St. Lamberti-Kirche wieder die ersten Gottesdienste gefeiert werden. So ist der Plan. Allerdings will sich Küsterin Claudia Lobbe nicht ganz so festlegen. Eines steht für sie jetzt schon fest: „Ich freue mich auf eine wunderschöne Lamberti-Kirche für die Gemeinde. Wir haben gute Ideen dafür entwickelt!“ Die Sanierungskosten belaufen sich auf gut 1,6 Millionen Euro. 660 000 Euro steuert das Bistum Münster bei, den Rest muss die Kirchengemeinde unter anderem über Spenden selbst tragen.