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Auf den Spuren von Kord Kamphues

Schon lange begleitet die tragische Figur des Coesfelder Stadtrichters Kord Kamphues aus dem 16. Jahrhundert den Schriftsteller Georg Veit. Der Richter hinterließ seine ersten literarischen Spuren in einem Roman, der 1913 erschien. Nach einem Drehbuch wurde 1919 ein Stummfilm über den Stadtrichter gedreht, der leider beim großen Stadtbrand 1943 vernichtet wurde.

Georg Veit beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kord Kamphues. Foto: ba

Georg Veit beschäftigte sich mit Kord Kamphues bereits zum 800-jährigen Stadtjubiläum und verfasste mehrere Zeitungsartikel über dessen Leben und literarischen Spuren. Der Kurzgeschichtenwettbewerb des Autorenkreises Historischer Roman Quo Vadis im Januar gab den Ausschlag, den haltlosen Richter einmal von einer anderen Seite zu zeigen. Als einen trauernden Vater, der als Räuber und haltloser Richter eine feinsinnige Beziehung zu seiner Tochter hat. 

In „Die Nacht der Tochter“ zeigt Georg Veit die Seelenqual eines Menschen in ihrer ganzen Bandbreite. Schon der Einstieg packt den Leser und lässt ihn nicht mehr los. Die grenzenlose Wut der siebzehnjährigen Jungfrau, die durch Gefangenschaft und Fremde die Augen einer Siebzigjährigen hat. Diese Wut schildert Georg Veit in einem inneren Monolog, doch zwischen den Zeilen wird diese vorangetrieben von Verzweiflung, Trauer und der Rache. Die sehr emotionale Geschichte verwebt die Vergangenheit mit der Gegenwart, lässt den Leser in Abgründe der menschlichen Seele blicken und zeigt den Weg von den Selbstzweifeln bis zur Reinigung. „Ich wollte die besondere Beziehung zwischen dem Vater und seiner Tochter Marie darstellen“, erzählt Georg Veit. „Heute zweifelt die Wissenschaft daran, ob das Bild von Kamphues richtig dargestellt ist.“

Der Richter, dessen Geständnis unter der Folter entstanden war, widerrief kurz vor der Enthauptung seine Taten, beschwört die Unschuld seiner Tochter. Sie hatte der Folter nicht standgehalten, hatte alles gestanden, was die Scharfrichter aus ihr herauspressten. Sie beruhigte ihr Gewissen mit dem Gedanken, dass der Vater befohlen hatte, alles zu verraten. Sie kehrte zurück nach Coesfeld, um im Dunkel der Nacht ihren Racheplan zu verwirklichen. „Menschen reagieren nicht kalkulierbar“, erklärt Georg Veit, dass es in allen Bevölkerungsschichten durchaus Personen gegeben hat, die enge Familienbande hatten. „Auch im 16. Jahrhundert gab es Väter, die um ihre Kinder trauerten und an deren Tod zerbrachen.“

Vor der Kurzgeschichten-Anthologie „Engel, Hexen, Wiedertäufer - historische Geschichten aus Billerbeck und dem Münsterland“ hat Georg Veit zahlreiche Kurzgeschichten, Lyrikbeiträge, Fachbücher sowie Kriminalromane, zuletzt „Münsterlandblitze“, veröffentlicht und wurde unter anderem mit dem Jos Fritz-Preis für innovative Literatur ausgezeichnet. Sein Beitrag „Die Nacht der Tochter“ ist eine aufwühlenden Geschichte um die innige Beziehung zwischen Vater und Tochter und eine von 20 Kurzgeschichten, die im Waxmann-Verlag veröffentlicht wurde.