Das Verbreitungsgebiet

KOMMENTAR - Ins Netz gegangen

Wozu braucht man noch Feinde, wenn man solche Freunde hat, könnte man jetzt sarkastisch einwerfen, wenn man die Vorgehensweisen des englischen und amerikanischen Geheimdienstes in punkto Internetspionage betrachtet.

Noch ist gar nicht abzusehen, welche Folgen, das für jeden von uns hat. Seit Jahren hinterlassen wir Fußstapfen im Internet – markante und weniger markante, interessante und weniger interessante. Interessant jedoch sind sie alle für die Geheimdienste. Und was diese mit den Daten machen, ist uns nicht bekannt – ein beklemmendes Gefühlt beschleicht einen dabei. Dass jetzt die Politik endlich nachhakt, wurde Zeit. Allerdings ist die Zögerlichkeit, mit der die Kanzlerin an die Sache herangeht, erstaunlich. Schon seit Jahren waren deutsche Unternehmen den amerikanischen Internetspionen ausgeliefert, entstanden so Schäden in Milliardenhöhe. Diese Wirtschaftskriminalität grenzte schon an einem Wirtschaftskrieg. Doch wurden diese Vorgehensweisen immer wieder vertuscht. Denn so etwas hätte man doch eher aus ganz anderen Teilen der Welt vermutet. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Seit der Prism-Affäre dürften sich für deutsche Politiker ziemlich viele Fragen stellen und sie müssen es auch. Viele Bürger wünschen Aufklärung darüber, was von ihnen abgefischt wurde. Was wissen die über uns? Wohl fast alles, was wir im Internet preisgegeben haben. Warum, weil wir Geschäftsbedingungen zugestimmt haben, in denen Datenschutz ein Fremdwort ist. Und so steht jetzt mehr auf dem Spiel: Es sind unsere Grundrechte, die von Amerika mit Füßen getreten werden. Und so ist erschreckend, dass ein Land, das ehemals grandios für freiheitlich-demokratische Grundwerte stand, diese gerade mit einem rasanten Tempo abbaut, um angeblich mehr Sicherheit zu erhalten.