Das Verbreitungsgebiet

80 Maschen für Frühgeborene

Als vor zehn Jahren in der Familienbildungsstätte (FBS) Coesfeld zum ersten Mal ein Dutzend Frauen zum Frühchen Strick-Treff zusammenkamen, konnten sienoch nicht absehen, welche Erfolgsgeschichte sich daraus entwickelt.

Seit zehn Jahren kommt der Frühchen Strick-Treff alle drei Monate in der Familienbildungsstätte Coesfeld zusammen, um die selbst gestrickten Mützchen, Söckchen und Deckchen während einer Kaffeetafel zum Versenden vorzubereiten.

Große Kartons stehen an den Seiten eines Raumes in der Familienbildungsstätte Coesfeld. Sie sind randvoll mit Wolle, Mützchen, Söckchen und Deckchen. In der Mitte des Raumes sitzen mehr als 20 Frauen, trinken Kaffee, essen ein Stückchen Kuchen und unterhalten sich angeregt. Sie gehören zum Frühchen-Strick- Treff, der sich seit zehn Jahren alle drei Monate in der FBS versammelt. Die Kaffeetafel ist nicht nur da, um sich auszutauschen. Denn an diesem Termin geben die Frauen ihre zu Hause selbst gestrickten Mützchen, Söckchen und Deckchen für Frühgeborene ab und nehmen wieder Rohmaterial mit.

„Als wir uns vor zehn Jahren zum ersten Mal trafen, waren wir zwischen zehn und zwölf Frauen. Mittlerweile sind wir etwa 40 im Alter von 21 bis 85 Jahren“, erzählt Renate Hillebrandt. Die 77-jährige Großmutter gehört mitMarie-Theres Fröse (66) zu den Gründungsmitgliedern des Frühchen- Strick-Treffs. Beim Welt-Frühgeborenen-Tag 2008 war Renate Hillebrandt im Foyer der Christophorus Kliniken in Coesfeld. Dort traf sie viele Frauen aus Coesfeld, Dülmen, Rosendahl, Billerbeck und Nottuln, die leidenschaftlich strickten.

„Damals entschlossen wir uns, diesen Frühchen-Strick-Treff ins Leben zu rufen. Wir haben dann in der Familienbildungsstätte angefragt, ob wir uns dort alle drei Monate treffen könnten“, berichtet das Gründungsmitglied, „Diese Idee wollten wir unbedingt unterstützen“, erinnert sich Mechthild Henke, Mitarbeiterin der FBS. „Wir sind zwar ausschließlich Frauen, aber Männer könnten auch bei uns mitmachen“, legt Renate Hillebrandt ausdrücklich darauf wert, zu betonen, dass der Treff für jedes Geschlecht offen sei.

Marie- Theres Fröse ist beim Frühchen-Strick-Treff zuständig für die Statistik. Sie führt genau Buch und weiß, wie viel Strickwaren seit 2008 produziert worden sind. „Es waren rund 32 000 Mützchen und etwa 48 000 Paar Söckchen“, liest Marie-Theres Fröse aus ihrem Ordner vor. Sie ist auch für das Versenden der winzigen Kopf- und Fußbedeckungen verantwortlich. „Das Verschicken kostet natürlich Porto. Deswegen sind immer pro Kaffee-Gedeck zwei Euro fällig“, erklärt Marie-Theres Fröse.

Die Mützchen, Söckchen und Deckchen hat aber nicht nur die Frühchen-Station der Christophorus-Kliniken in Coesfeld bekommen. „Wir haben die Ware auch schon nach Norderney oder Regensburg verschickt. Vor allem Afrika liegt uns am Herzen. Unsere Mützchen, Söckchen und Deckchen sind deswegen schon in Ghana, Senegal oder Togo in Gebrauch“, ist Renate Hillebrandt stolz auf die internationale „Vermarktung“.

Das Rohmaterial setzt sich aus Spenden zusammen. „Wir freuen uns über jede Wollspende. Allerdingsmuss es für die Frühchen Sockenwolle sein, die mindestens aus 70 Prozent Wolle besteht, führt Renate Hillebrandt aus. Nahezu alle Frauen des Frühchen-Strick-Treffs gehören zu den Schnellstrickerinnen. Ein Mützchen für ein Frühgeborenes ist schnell gestrickt. Renate Hillebrandt: „Das sind nur 80 Maschen. In drei Stunden ist die Kopfbedeckung fertig zum Versenden.“