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Spiel mit den Rollen

Wenn Isabell Waltering am 1. Juli als Helena

die Bühne der Freilichtbühne betritt, dann

schlüpft sie in eine ihrer alten Rollen.

Schon vor 22 Jahren war sie die Protagonistin in dem Theaterklassiker schlechthin – dem Sommernachtstraum von Shakespeare. Jetzt ist sie 22 Jahre älter, und das ist im Sommernachtstraum 6.0 von Regisseur Johannes Lang auch durchaus so gewollt.

„Wir haben das Stück ein bisschen modernisiert“, erläutert Lang. Dem Originaltext bleibt die Inszenierung treu, nur ein Satz und zwei Worte wurden von Lang hinzu gefügt. Dazu kommt viel Gesang und Musik und eine etwas andere Darstellung der Figuren, als die Zuschauer sie gewohnt sein mögen. „Ich habe die vier Liebenden in die 70er Jahre verlegt“, erläutert er.

Während Demetrius (Stefan Waltering), Hermia (Uschi Niehues), Lysander (Ralf Klatt) und Helena klassischerweise jugendlich besetzt sind, treten sie in Billerbeck als Generation Ü50 auf. Dagegen sind die Elfen Oberon (Alexander Waltering) und Titania (Leonie Illerhues) mit jungen Darstellern besetzt. Es ist das Spiel mit Klischees und Rollenerwartungen, das für Johannes Lang besonders wichtig ist. „Ich mag keine schwachen Frauen auf der Bühne“, betont er. Und so ist es in seinem Sommernachtstraum Hippolyta (Charlotte Waltering), die Theseus (Steffen Hertz) besiegt hat.

„Für den Sommernachtstraum braucht man eine Idee“, erläutert Lang. Das berühmte Stück ließe sich eben nicht „einfach so runterinszenieren“, sondern erfordere vielmehr einen Plan. Dazu kommen ganz konkrete Herausforderungen auf der Naturbühne, die sonst natürlich dem Stoff allein durch ihre Optik in die Karten spielt. „Wie findet man eine Lösung, dass die Elfen auf der Bühne sind, ohne dass die Liebenden diese sehen“, nennt Lang eine der Tücken der Inszenierung.

Für Isabell Waltering indes war die Rückkehr als Helena nicht vergleichbar mit dem ersten Einsatz. „Ich war überrascht, dass ich sie noch einmal spielen darf“, gibt sie zu. Jetzt sei es eine völlig andere Rolle, an die sie ganz neu herangehe. „Es ist eine andere Fassung, ein anderer Regisseur“, so Isabell Waltering. Alle Feinheiten der Neufassung mag Johannes Lang natürlich noch nicht verraten. Darunter auch, warum mitten auf der Bühne ein WC aufgebaut ist. Wer das wissen möchte, der sollte am kommenden Samstag um 20.30 Uhr die Premiere oder eine der folgenden Vorstellungen besuchen.