Das Verbreitungsgebiet

Jugendliche erreichen

Die schlechte Nachricht: Die Zahl der Klienten der AWO Sucht- und Drogenberatung nimmt kontinuierlich zu. Die gute Nachricht: Vor allem

Jugendliche sprechen auf das Programm FreD an.

FreD ist die Abkürzung für Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten. Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 21 Jahre absolvieren das Programm, um Jugendstrafe oder Sozialstunden zu entgehen. Dass das Programm in der Beratungsstelle für den Kreis, die in Dülmen beheimatet ist, aber mehr als nur lästige Pflicht ist, belegen die Zahlen des Berichtes.

Von 56 Teilnehmern haben lediglich vier das achtstündige Gruppenangebot abgebrochen, viele Teilnehmer wenden sich auch nachher noch bei Problemen an die Beratungsstelle. Ein Erfolg, der für Harry Junghans, AWO-Geschäftsführer für den Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen, durchaus mit der Person von Lioba Krüger verknüpft ist, die FreD leitet. „Dazu gehört Vertrauen und Verständnis, nur so kann man erfolgreich arbeiten“.

FreD weist in Dülmen sogar mehr Teilnehmer auf wie in Drogenhochburgen wie Frankfurt oder Hamburg. Dass frühe Intervention nötig ist, zeigen die steigenden Zahlen der Klienten. Waren es 2015 noch 544 Ratsuchende, kommen nun 587 zur AWO, viele davon zwischen 14 und 25 Jahre alt. In dieser Altersklasse dominiert noch der Cannabiskonsum, grundsätzlich ist aber Alkohol weiter trauriger Spitzenreiter unter den Suchtmitteln.

Gestiegen ist ebenfalls die Zahl der Angehörigen, die sich betreuen lassen. 88 Personen waren es im vergangenen Jahr, die allermeisten davon Frauen. Dass die meisten Konsumenten aus Dülmen oder Coesfeld kommen, liegt schlicht an der räumlichen Nähe. Grundsätzlich umfasst das Beratungsgebiet aber den gesamten Kreis und sogar noch ein Stück darüber hinaus.

Ulrich Flasche, Leiter der Sucht- und Drogenberatungsstelle, wusste aber nicht nur in Sachen FreD von erfreulichen Tendenzen zu berichten. Vielmehr hätte sich auch die Kooperation mit Kliniken und Ärzten ausgezahlt. So sind allein 106 Personen im vergangenen Jahr auf Empfehlung der Klinik am Schlossgarten in die Beratung gekommen, die Zahl habe sich in den vergangenen Jahren verdreifacht. Ebenfalls angeschoben wurde die Gründung eines Qualitätszirkels für die Substitution. Fach- und Hausärzte treffen sich regelmäßig, um einzelne Fälle zu besprechen.

Das Feld habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verkompliziert, auch durch das steigende Alter der Konsumenten, erläuterte Ulrich Flasche. Es kämen wenig neue Fälle hinzu, wohl auch weil Heroin hier in der Region eine untergeordnete Rolle spielt. Ob sich der Negativtrend, der aktuell in den USA zu beobachten sei, letztlich auch hier widerspiegele, sei jetzt noch nicht abzusehen, so Ulrich Flasche.