Das Verbreitungsgebiet

Kampf ums Überleben

Dülmener Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister protestieren. Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben sie auf sich aufmerksam gemacht. StadtAnzeiger-Redakteurin Alexandra Schlüter hat mit Hugo Schulze Hobbeling von der Viktor GmbH über die Hingergründe und Ziele gesprochen.

Herr Schulze Hobbeling, haben Sie bereits Reaktionen auf die gemeinsame Aktion erhalten? Wie waren die Rückmeldungen? Ja, wir haben zahlreiche Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die unsere Aktion begrüßt haben. Laut einer aktuellen INSA-Umfrage hat sich das Meinungsbild in der Bevölkerung drastisch geändert. Waren bis vor kurzem noch viele Bürger gegen eine Lockerung der Lockdown-Maßnahmen, so sind jetzt je nach Branche die Mehrheit für Lockerungen, zum Beispiel im Handel 75 Prozent dafür und nur 17 Prozent dagegen. In der Gastronomie sind 54 Prozent dafür und nur 35 Prozent dagegen. Wie groß ist die Unsicherheit bei den Dülmener Geschäftsleuten, dass es nach einer Lockerung erneut zu einem Lockdown kommen könnte? Die Furcht vor einer dritten Welle nimmt aktuell stark ab, da immer mehr Menschen geimpft sind beziehungsweise werden, kostenlose Schnelltests für jeden vor dem Durchbruch stehen und die Schutzmaßnahmen immer besser werden – siehe Masken, Schutzwände und Luftfilter. Gestützt wird diese Entwicklung unter anderem durch das Robert-Koch-Institut, das in einer soeben erschienenen Veröffentlichung das Infektionsrisiko im Handel als niedrig einstuft und sich in Abhängigkeit vom Inzidenzwert für eine Öffnung ausspricht. Wie lange wird es dauern, bis sich der Wirtschaftsstandort Dülmen von den Einschnitten der vergangenen Monate erholt hat? Das hängt stark davon ab, wie lange die Lockdown-Phase noch anhält. Die Gastronomie ist jetzt seit vier Monaten geschlossen, der Handel seit drei Monaten. Weiter ist enorm wichtig, ob, wann, wofür und in welcher Höhe Unterstützungs-Zahlungen erfolgen werden. Laut Umfragen des deutschen Handelsverbandes kämpft über die Hälfte aller Handelsbetriebe aktuell ums wirtschaftliche Überleben. Welche Branchen hat es aus Sicht der Viktor GmbH besonders hart getroffen? Besonders hart betroffen sind laut Umfragen die Reisebranche, die Gastronomie, die Kultur-/Kreativszene und der nicht System relevante Handel und hier besonders stark die Mode abhängigen Betriebe wie Textil, Schuhe und Deko, die auf ihrer Winterware sitzen. Welche Konzepte, die aus der Not geboren wurden, bleiben eventuell auch nach dem Ende des Lockdown bestehen? Die in Dülmen während der Corona-Krise ausgebauten Konzepte, vor allem der taggleiche Lieferservice mit E-Mobil zu Nullkosten ab 20 Euro, elektronische Dülmen-Gutscheine, deren Verkaufswert sich im letzten Jahr verdreifacht hat, werden sicher erhalten bleiben. Große Hoffnungen setzen Handel, Gewerbe, Kultur und Sport auf den soeben mit großem Erfolg gestarteten, bundesweit einmaligen, Dülmener Event-Kanal „Lokal at Home“. Hier können sich Interessierte in einem professionellen Filmstudio in Dülmen im Live-Stream oder später per Aufzeichnung präsentieren, Koch- oder Sport-Kurse geben oder Produkte vorstellen und verkaufen.